Beatsteaks in der Kneipe

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Beatsteaks geben Kneipenkonzert zur „Boombox“-Premiere in Frankfurt.

Frankfurt - Mit authentischem Punkrock stürmen die Beatsteaks seit Jahren die Charts und feiern auch international Erfolge. Jetzt haben die Berliner in Frankfurt ihr neues Album präsentiert - bei einem „Kneipenkonzert“. Von Max Blosche

Zehntausende Fans wird die Punkrockband Beatsteaks im Sommer beim Mega-Festival Rock am Ring begeistern. Vor gerade mal Hundert Zuhörern präsentierten die Berliner am Dienstagabend erstmals ihr neues Album „Boombox“ - das erste seit 2007. Vor der exklusiven Kulisse des als „Kneipenkonzert“ deklarierten Auftritts im Frankfurter Mini-Live-Club Elfer bestätigten die fünf Musiker die Ankündigung des Moderators: „Ehrlicher, authentischer und noch mehr auf9s Maul geht selten.“

Binnen Sekunden war das Publikum, unter das sich auch Ärzte-Sänger Farin Urlaub gemischt hatte, aus dem Häuschen. Fans konnten keine Karten kaufen, sondern nur bei der hr- Jugendwelle YOU FM gewinnen: „Wir hatten über 4000 Bewerbungen“, berichtete die Sprecherin des Senders, Carolin Oppermann. Schon beim ersten Song kündigte sich ein wilder Abend an. Die seit ihrer Gründung 1995 bestens aufeinander eingespielten Musiker legten mit voller Wucht und in bester Laune los, zeigten sich zugleich aber auch nicht nervös. „Ich hatte mir doch vorgenommen, cool zu bleiben“, sagte Gitarrist Peter Baumann.

Kommerziell erfolgreich ohne Kompromisse

Nachdem das komplette Album gespielt und Band wie Fans durchgeschwitzt waren, war klar: Das neue Werk ist trotz anderer Sounds durch und durch typisch Beatsteaks. Es geht überwiegend hart zur Sache. Die Schlagzahl der meist kurzen heftigen Songs ist hoch und der aus einer Zirkusfamilie stammende Sänger Arnim Teutoburg-Weiß singt nicht nur durchdringend, sondern schreit auch kräftig. Bei aller Härte gönnen die Beatsteaks ihren Hörern auch kurze Phasen des Durchatmens, etwa durch neue entspannte Ska- und Reggae-Klänge. Als Hit des Abends entpuppte sich „Automatic“, bei dem das Publikum begeistert mittanzte.

Seit ihrem Durchbruch im Jahr 2004 mit dem Album „Smack Smash“ gelingt den Berlinern das in der oft erbarmungslosen Musikindustrie seltene Kunststück, ohne große künstlerische Kompromisse kommerziell zu punkten. Top-Ten-Platzierungen in den Charts, ausverkaufte Konzerte in großen Hallen, Headliner-Status bei großen Festivals und Erfolge in ganz Europa zeugen davon. Faszinierend ist die Energie, mit der die Band ihre Auftritte bestreitet, vor riesigen Menschenmengen ebenso wie bei der Albumpremiere im kleinsten Kreis.

Die Energie strömte beim Frankfurter Kneipenkonzert vom ersten bis zum letzten Takt von der Bühne und wieder zurück. Mit frechem Grinsen und frechen Sprüchen beherrschte Sänger Teutoburg-Weiß das Geschehen. „Ich hätte vorher mal Pipi machen sollen“, fiel dem 36-jährigen kurz nach Konzertbeginn ein. Nach einem Song mit ein paar Patzern warb er für den nächsten Stopp in Frankfurt im Rahmen der regulären Tournee: „In der Jahrhunderthalle sind dann auch die Gitarren gestimmt, und ich kann die Texte.“

Band wirkt trotz ihrer Erfolge echt

Das härteste Stück des Abends kündigte er ironisch als „die Ballade des Albums“ an. Was immer der Frontmann verlangte, ob per Kommando oder per vereinbartem „Die Hütte brennt“-Handzeichen, die Fans machten einfach mit und hatten Riesenspaß. Auch die übrigen Bandmitglieder brachten sich neben ihren musikalischen Aktivitäten mit Berliner Schnauze ins Geschehen ein.

Trotz ihrer großen Erfolge wirken die Beatsteaks echt und locker: Wenn sie auf ihrer Homepage zur Teilnahme an einer Anti-Nazi-Demo aufrufen etwa. Aber auch, wenn sie nach dem Auftritt mit den Fans bei einem Bier an der Theke plaudern oder ihr Equipment eigenhändig in den Bus wuchten. Nach fünf weiteren Kneipenkonzerten beginnt am 4. März ihre Tournee.

dpa

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