Beethoven und Berg verbandelt

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Beethoven

Frankfurt - Dass Sebastian Weigle ein Herz für Bläser hat, kommt nicht von ungefähr. Ist der Frankfurter Generalmusikdirektor doch von Hause aus Hornist. Von Klaus Ackermann

Und zu diesem Instrument griff er auch kurzfristig, um jene drei Themen vorzustellen, auf die Alban Berg sein „Kammerkonzert für Klavier und Geige mit dreizehn Bläsern“ baute. Ein spannendes, aber auch schwieriges Geburtstagsständchen für seinen Lehrer und engen Freund Arnold Schönberg. Danach wirkte Beethovens weltbekannte Fünfte wie eine Belohnung, zweiter gewichtiger Programmpunkt des Museumskonzerts.

Es muss nicht immer ein Streichorchester zum Auftakt sein, mag sich Weigle gedacht haben, der in Frankfurts Alter Oper auf ein wenig gespieltes Kammerkonzert aufmerksam macht, das wie eine klingende Visitenkarte der „Zweiten Wiener Schule“ anmutet. Sind doch schon die Namen ihrer Ideengeber Schönberg, Webern und Berg zu Motiven umgeformt, die derart komplex formal durchgeführt werden, als wolle der Komponist zeigen, was er alles bei seinem Lehrmeister gelernt hat.

Als Zugabe gab es einen Walzer

Viel gefordert sind die den sperrigen Klang im steten dynamischen Wellengang perfekt umsetzenden Bläser samt Piccoloflöte, Bassklarinette und Kontrafagott. Bei den Solisten stärkt Pianist Markus Bellheim sein Profil als Protagonist aktueller Musik. Während der energetisch, aber auch mit berückend schönem Ton das die Liebe thematisierende Adagio (Schönbergs Ehefrau war nach qualvoller Krankheit gestorben) gestaltende Geiger Dimiter Ivanov dokumentiert, was für hervorragende Konzertmeister das Frankfurter Museumsorchester hat. Nach anhaltendem Applaus boten beide sogar eine Zugabe, den Walzer „Liebesleid“ des Violinvirtuosen Fritz Kreisler, nach kammerkonzertanter Schwerarbeit eine nette Schmonzette, vom Publikum erleichtert und beifällig begrüßt.

Klassisch ausgewogen dann Beethovens Sinfonie Nr. 5 c-Moll: Sachlich verhandelt Weigle die vielen Wandlungen des schicksalhaft pochenden Motivs, als werde da ein Grundgedanke zur Diskussion gestellt. Mit dem Museumsorchester wie an einem Klangstrang, das die gespenstischen Untertöne im behaglichen Andante-Lied ebenso fixiert wie jene fahlen, umso bedrohlicher wirkenden Töne, die in ein befreiendes Dur münden – aus irdischer Befangenheit zum göttlichen Licht. Eine Fünfte, die bei unterschwelligem Pendelschlag hohen Erlebniswert hat und Sebastian Weigle einmal mehr als ehrlichen Makler auch der ersten Wiener Schule zeigt.

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