Beethovens Neunte in Alter Oper

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In der Aufführung von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 trat im Finalsatz auf Schillers „Ode an die Freude“ der dominant scharfe Sopran von Esther Hilsberg zu den drei Vokalsolisten.

Romantik und Klassik standen beim Konzert der Frankfurter Singakademie und des International Choir Frankfurt auf dem umfangreichen Programm. Zum musikalischen Marathon eingeladen hatte die Deutsche Implantat-Stiftung; dirigiert wurde das Konzert mit der Jenaer Philharmonie von Singakademie-Leiter Paulus Christmann. Von Axel Zibulski

Dieser bot eingangs mit seinem Orchester eine Interpretation der Tragischen Ouvertüre d-Moll op. 81 von Johannes Brahms, die sich meist artig am Notentext orientierte, mehr oder wenige dicke Schnitzer der Bläser nicht ausgeschlossen. Von der latent düsteren Grundstimmung des Werks vermittelte sich so freilich wenig. Man sollte es nicht als bloßes Einspielstück betrachten.

Die Herren der Frankfurter Chöre absolvierten ihren ersten Einsatz burschikos unbeschwert; das war etwas zu wenig für die plötzliche Auflichtung, die Brahms’ Rhapsodie op. 53 für Alt-Solo, Männerchor und Orchester mit sich bringt, eine tröstliche Wendung im Text aus Goethes „Harzreise im Winter“ eröffnend. Vom Irren, von Schmerz und Menschenhass hat Brahms zuvor mit Goethe die Alt-Solistin singen lassen – bei Margarete Joswig klang das eher grob und zu offen dramatisch ausgebreitet, häufig unsauber in Intonation und Ansatz, wenig Identifikation mit dem so feinfühlig vertonten Text vermittelnd.

Zu Robert Schumanns vier „Gesängen des Harfners“ op. 98a, ebenfalls auf Goethe-Texte, durfte das Orchester schweigen. Pianistin Inga Hilsberg begleitete den groben, stets wie über den Stimmfokus gedrückt wirkenden Tenor von Endrik Wottrich sowie den solide aussingenden Bariton von Eike Wilm Schulte.

In der Aufführung von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 trat im Finalsatz auf Schillers „Ode an die Freude“ der dominant scharfe Sopran von Esther Hilsberg zu den drei Vokalsolisten. Christmanns Interpretation der Neunten fehlte der bündige Zugriff, das tragende Konzept: Mulmig klangen die Themenentwicklungen im Kopfsatz,; verhetzt und wie ohne Atem nahm Christmann das eigentlich elysische Adagio. Da hatten die Damen der Singakademie sowie des 1984 gegründeten International Choir das Geschehen bereits gut zwei Stunden stumm vom Rang aus verfolgt; im Chor-Finale griffen sie ein, beherzter, kraftvoller als die Herren und mit spürbarem Spaß am freudigen Jubilieren.

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