Ed Sheeran verblüfft Frankfurter Publikum

Begleitmusiker sind überflüssig

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Ein Alleinunterhalter im besten Sinne: Ed Sheeran

Frankfurt - Gäbe es mehr von seinem Schlag, dürften viele Begleitmusiker bald arbeitslos werden. Denn Ed Sheeran braucht keine Band, um wie eine zu klingen: Er macht alles selbst. Fast. Von Ronny Paul

Heimlicher Star des Abends in der Frankfurter Festhalle ist nämlich ein Loop-Pedal, das sowohl an eines von zwei auf der Bühne platzierten Mikrofonen sowie an Sheerans Gitarre angeschlossen ist. Dieses ermöglicht dem Engländer mehrspurig, das soeben Gespielte in Schleife abzuspielen und sich so selbst zu begleiten.

Zu Beginn wirkt es fast wie ein Scherz, als der schlaksige englische Rotschopf im Karohemd allein mit seiner Gitarre auf die große Bühne stapft. Und es hat den Anschein als wolle er sich dafür sofort entschuldigen: „Ihr bekommt eine unterhaltsame Show“, verspricht der Engländer den kreischenden Fans – und hält Wort. Denn was der 23-Jährige dem Publikum bietet, ist mehr als gute Musik und ein Abfeiern seiner Hits wie „Drunk“, „Lego House“ oder „Bloodstream“. Sheeran demonstriert die hohe Kunst des Alleinunterhalters, nur dass er dafür keine Playbacks braucht, sondern diese sich mithilfe des Loop-Pedals vor Augen und Ohren des Publikums selbst zusammenschustert.

Sheeran, ein moderner Liedermacher mit Wurzeln in der Musik von Bob Dylan und Van Morrison, macht sich die Technik eines DJs zu eigen und sampelt sich selbst in kleinen Pattern: Tiefe Schlagzeugsounds erzeugt er durch Trommeln auf dem Gitarrenkorpus, hohe durch abgedämpftes Schlagen der Saiten, dazu packt er Bassläufe, zusätzliche Gitarrenlinien und Gesangsharmonien obendrauf. Für die Zuschauer ist das ein spannender Prozess, denn so zerlegt er die Lieder in ihre Einzelteile. Daher startet ein Song, entgegen dem gewohnten Beginn auf Platte, oft mit dem Refrain oder mit imitiertem Schlagzeugrhythmus. Die Arbeit mit dem Loop-Pedal erfordert Geschick, denn jeder noch so kleine rhythmische Fehler beim Einspielen würde das selbstgemachte Playback zerstören und einen Neuanfang erfordern. Doch Sheeran hat die Kunst des Sampelns und Loopens perfektioniert und nutzt sie bei jedem Song seines zweistündigen Auftritts, bei dem er mit einigen Showeinlagen verblüfft. Bei „The Man“ geht er unvermittelt in „Last Christmas“ von Wham über, in der Mitte von „Runaway“ zitiert er „Backstreet’s Back“ von den Backstreet Boys.

Ed Sheeran verzaubert die Festhalle Frankfurt

Ed Sheeran verzaubert die Festhalle Frankfurt

Überhaupt scheint Sheeran musikalisch keine Grenzen zu kennen und alles zu können: Er rappt bei „The Man“ wie Mike Skinner von „The Streets“, singt „The A-Team“ so herzzerreißend wie Damien Rice und unterhält die kreischenden Teenager beim Clubhit „Sing“ wie Justin Timberlake. Auffällig ist, dass vor allem die Frauen im Publikum dem Engländer von Anfang an zu Füßen liegen und jedem Aufruf zum Mitklatschen und -singen sofort in die Tat umsetzen. Dass während des Konzerts mehrere in Ohnmacht gefallene Fans rausgetragen werden müssen, passt ins Bild des Abends: Denn Sheerans Auftritt ist schlicht und einfach umwerfend.

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