Behutsame Erneuerung

Frankfurt - Den Novo Fado, die in den neunziger Jahren aufgekommene Reformationsbewegung der portugiesischen Nationalmusik, für die junge Sängerinnen wie Mariza und Mísia stehen, kennzeichnen mannigfaltige Bemühungen um einen Crossover, um den Verschnitt mit popmusikalischen Ansätzen samt Öffnung für Instrumente wie die E-Gitarre oder das Klavier. Von Sebastian Hansen

Ana Moura, die seit dem Erscheinen ihres ersten Albums „Guarda-me a Vida na Mao“ 2004 eine steile internationale Karriere gemacht hat, ist die behutsamste unter der Erneuererinnen. Eine Sängerin im Kreis von drei schwarz gekleideten Gitarristen: Es ist eine klassische Besetzung des Fados, die zum Konzert auf der Bühne der Konzertmuschel des Palmengartens steht. Bei Ana Moura, die in ihrem Repertoire immer wieder Klassiker unter die Lieder neuer Autoren mischt, handelt die portugiesische Sehnsuchtsmusik, die im 19. Jahrhundert im Hafenviertel von Lissabon entstanden ist, in einer heutigen Weise von Liebe und Partnerschaft. Für eine Art historische Beglaubigung sorgt der Komponist, Arrangeur und Produzent Jorge Fernando, der noch mit Amália Rodrigues aufgetreten ist.

Musikalisch neu im eigentlichen Sinne ist das alles nicht. Es lässt sich aber als gut durchlüftet charakterisieren. Das erklärte Vorbild ist – wie bei wohl allen zeitgenössischen Fadosängerinnen – die allüberragende Amália Rodrigues. Die Spuren einer Prägung durch Soul und Pop sind eher hintergründig zu erkennen. Die Biegsamkeit der Führung ihrer Stimme und die schlanke Modulation des dunkel timbrierten, charakteristisch gebrochenen Alts bezeugen das Format dieser Sängerin. Ana Moura versteht sich auf die süffige Melodiosität des Fados. Die Emphase wirkt bei aller Intensität etwas gebremst.

Nähe zum französischen Chanson

Eine gewisse Distanz stellt keinen Traditionsbruch dar: Der Fado war seit jeher eine über die schiere ,,Volkstümlichkeit“ im engeren Sinne erhobene Vortragsmusik. Vielmehr bezeugt er eine Nähe zum französischen Chanson.

Ana Moura tritt im paillettenbesetzten Abendkleid mit weitem Rückenausschnitt in Erscheinung. Sie gibt die Diva in einer dezenten Weise. Bisweilen geht eine elegante Andeutung des Rhythmus durch den Körper; dann und wann hält sie das Publikum zum Mitklatschen an. Auch was die Show anlangt ein durchaus klassischer Abend, kein Popkonzert im Fado-Gewand.

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