Geburtstagskonzert von Barrelhouse-„Morsch“

Jazz-Fass aufgemacht

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Happy Birthday: Sohn Thomas und Barrelhouse-Bandleader von Essen haben das Geburtstagskind in ihre Mitte genommen.

Offenbach - Ein Schriftband mit chinesischen Zeichen ziert die Bühne des anheimelnden Konzertsaals im Wiener Hof. „China grüßt Horst Schwarz zu seinem 75. Geburtstag“, übersetzt Reimer von Essen das Mitbringsel einer Fernost-Tournee der Barrelhouse Jazzband. Von Klaus Ackermann 

Als Trompeter, Sänger, Komponist und Arrangeur hat der Bieberer den weltweit erfolgreichen Barrelhouse-Sound mitgeprägt.

Wenn das nicht stimmt, ist’s zumindest vortrefflich erfunden. Und trifft den Kern des Konzerts zu Ehren des Trompeters, das Bieber als Vorort von New Orleans ausgibt. Zum Vergnügen einer eingefleischten Traditional-Jazz-Gemeinde, die „Morsch“ Schwarz, Barrelhouse und etliche Gastsolisten geziemend feiert.  Barrelhouse und Schwarz - das ist eine Ehe, die nun schon 53 Jahre hält. Dabei gab und gibt der gebürtige Bieberer nicht nur auf Trompete und Posaune Impulse, sondern hat als Sänger, Komponist und Arrangeur Deutschlands älteste und erfolgreichste Jazzband entscheidend mitgeprägt. Schon der zweite Titel geht ans Eingemachte, „Morschs“ „Blues’n’Boogie“ zielt auf Grundpfeiler des weltweiten Barrelhouse-Erfolgs. Das swingt wie der Teufel, die Improvisationen der All-Star-Band wirken wie gerade erfunden. Das ist originärer Jazz und gleichzeitig eine „Happy Music“, die spontan selbst in Silberlocken-Knochen fährt. Und aller Swing hat hier den leichten Karibik-Touch, wie er für New Orleans Jazz so typisch ist - mancher hört da eine Rumba.

Als kundiger und kurzweiliger Plauderer erweist sich wieder einmal Band-Chef Reimer von Essen, zudem mit unverkennbarem, an Klezmer erinnernden Klarinettenton, von dem man erfährt dass „Red Beans And Rice“- auch so ein zündender Creolen-Rhythmus - das Lieblingsessen von Louis Armstrong war. Von Essen stellt zudem seinen Schüler Matthias Seuffert vor, der den Swing eines Duke Ellington in Bebop überführt und dabei einen Verbündeten im absolut coolen Gitarristen Roman Klöcker hat, der, erhaben über Stilismen, auch ein hinreißendes Solo auf dem Banjo hinlegt.

Treibende Kraft am Kontrabass ist jetzt Lindy Huppertsberg, die Johannes Schädlich als Gast unterstützt. Wie Michael Ehret am Schlagzeug sich ein spannendes „Battle“ mit dem ehemaligen Barrelhouser Wolfgang Wüsteney liefert. Unersetzbar bleibt Frank Selten der auf verschiedenen Saxophonen den farbigen Barrelhouse-Klang abmischt. Und Spitze ist der Gast am Klavier: Simon Holliday wirkt wie der Butler von „Eaton Place“ und spielt so locker vom Hocker, als habe er schon um 1900 in den Bordellen von New Orleans die Tasten gedrückt. Sein Boogie-Duell mit Pianist Jan Luley hat zirzensische Klasse.

Jazz Matinee im Büsingpalais

Jazz Matinee im Büsingpalais

Nicht zu vergessen die Hauptperson des Abends: Was der Trompeter Horst Schwarz an Strahltönen rauslässt, bezeugt eine erstaunliche Physis - und Fantasie. Gottlob ist „Morsch“ dem Traditional Jazz treugeblieben. Denn gemessen an der Popularität von Titeln wie „Mardi Gras“ oder „The Barrelhouse Showboat“ hätte der glatt auch im Studio von Dieter Bohlen verschwinden können.

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