Belcanto-Könige hielten Hof

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Onur Ertür und Tae-Joong Yang im Duett.

Dreieichenhain - Hat Petrus ein Problem mit Opern? Diese Frage konnte sich stellen, wer Karten für die „Italienische Opernnacht“ bei den Burgfestspielen Dreieichenhain hatte. Von Maren Cornils

Sah es bis 19 Uhr noch so aus, als zögen die angekündigten schweren Gewitter über die Openair-Arena hinweg, so stand spätestens um 19. 30 Uhr fest: „Die drei Könige des Belcanto: Rossini, Bellini, Donizetti“ wird ein eher feuchtes Vergnügen.

Der Optimismus von Dirigent Hermann Breuer, der ungeachtet grollenden Donners die ersten Takte zu Rossinis „Tell“-Ouvertüre spielen ließ, erwies sich recht bald als voreilig. Denn kaum hatten die Musiker der Groß-Polnischen Philharmonie Kalisch sich warm gespielt, zuckten die ersten Blitze über den Himmel. Was dann hereinbrach, war ein Unwetter, das immerhin in punkto Dramatik perfekt zu diesem Abend passte: Ein Blitz zuckte, es folgte ein Donner – und dann das Reiterfinale des Orchesters, dessen Mitglieder in der ersten Reihe tapfer mit nassen Füßen weiterspielten.

Nach dem ersten Stück indes hatte die Festspielintendanz ein Einsehen - 30 Minuten Pause werden anberaumt. Ein Teil der Zuschauer verzog sich unter die Überdachung oder ins Gastronomiezelt, ein Drittel aber harrte aus und ließ sich nicht einmal von Hagel vertreiben. Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk vorbei und Rossini bekommt seine zweite Chance, humorvoll moderiert von Rainer Zagovec. Er unterhielt das Publikum nicht nur mit Informationen zur Entstehungsgeschichte, sondern brachte es auch mit Anekdoten aus dem Leben der Komponisten zum Lachen.

Nach Sopranistin Olga Polyakova, deren Arie „Bel raggio lusighier“ aus „Semiramide“ stimmlich etwas blass blieb, folgte mit dem sehr selbstbewussten Alejandro Armenta (Bass) und seinem „Medaglie incomparabili“ aus der „Reise nach Reims“ der Beweis dafür, dass Rossini zu Recht als Humorist unter den Opernschreibern gilt. Am beeindruckendsten aber erwies sich der Auftritt des zierlichen Baritons Tae-Joong Yang, der bereits mit „Largo al Factotum“ („Der Barbier von Sevilla“) brilliert hatte und der mit einer überraschenden Stimmgewalt Tenor Onur Ertür im Duett „All’idea di quel metallo“ aus dem ersten Akt des Figaro relativ blass aussehen ließ. Bei den Frauen überzeugte Mezzosopran Nesrin Bordoni mit „Una voce poco fa“, der Arie der Rosina aus „Figaro.

Der zweite Teil stand im Zeichen zweier weiterer Operngrößen: Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Während über der Burgruine allmählich der Mond aufging, verzauberten Arien aus „Der Liebestrank“, den „Puritani“ und „Der Regimentstochter“ das fröstelnde Publikum, das sich trotz aufziehender Kühle der Magie des Augenblicks nicht entziehen konnte.

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