Belcanto-Spezialist übt den Verzicht

Auf manches musste das Publikum verzichten, auf Zugaben zum Beispiel. Stattdessen bedankte sich Juan Diego Flórez dafür, dass man in der Alten Oper, wie er sagte, einem „erkrankten Tenor“ zugehört habe. Von Axel Zibulski

Auch auf etliche Spitzen-Noten galt es zu verzichten, weil der peruanische Belcanto-Spezialist kurzfristig sein Programm geändert hatte und vorwiegend in mittlerer Lage Tönendes sang, das seine entzündeten Stimmbänder nicht übermäßig stark belasten sollte. Immerhin: Nicht verzichten musste das Frankfurter Publikum auf Juan Diego Flórez selbst.

Denn der 37-jährige Tenor mit Vorliebe für Rossini, Bellini und Donizetti hatte den Auftakt seiner Deutschlandtournee einige Tage zuvor in Baden-Baden abgesagt. In Frankfurt trat er auf, zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung von Alessandro Vitiello, das mit ausführlicher Ergänzung um instrumentale Opern-Ausschnitte den Solisten entlastete.

Flórez klang durchweg schmal, eng und ein wenig monochrom

Denn im zweiten Programmteil beschränkte sich Flórez auf gerade drei Nummern aus Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“. Gewiss entfaltete sich die zum Abschluss gesungene, unverwüstliche Arie des Herzogs „La donna è mobile“ mit dem markant-hellen, zugleich so leicht und biegsam wie strahlend und metallisch wirkenden Timbre des Tenors charmant. Aber die Zurückhaltung, die ihm seine Indisposition abverlangte, war nicht zu überhören: Flórez klang durchweg schmal, eng und ein wenig monochrom, blieb also deutlich unter seinen Möglichkeiten. Vielleicht wäre eine komplette Absage des Konzerts künstlerisch ehrlicher gewesen.

So feierte das Publikum den Tenor zwar freundlich, aber nicht hymnisch; nur ein einziger Buh-Rufer wollte sich am Ende des kurzen Abends mit dem Gehörten überhaupt nicht zufrieden geben. Dabei hatten im ersten Teil die schlaglichtartigen Zeugnisse von Flórez’ Können auch bei reduzierten Möglichkeiten den Charme, den Glanz und die Ausdruckskraft des Sängers zumindest im Ansatz beglaubigt, als er beispielsweise Arien aus Charles Gounods „Roméo et Juliette“ sowie Domenico Cimarosas „Il Matrimonio segreto“ sang. Von eindeutig ungetrübter Kantabilität war allein ein Beitrag des Württembergischen Kammerorchesters, die violingesättigte „Méditation“ aus Jules Massenets Oper „Thaïs“.

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