Wärme im Herzen

Tim Bendzko tritt im Offenbacher Capitol auf

+
Lauschige Atmosphäre im Capitol, wo Tim Bendzko Ehen stiftete und auch sonst viele Zuschauerinnen glücklich machte.

Offenbach - Die ganz große Aufregung um Tim Bendzko hat sich ein wenig gelegt. Im Offenbacher Capitol beweist der Sänger gleichwohl, dass er ein begnadeter Entertainer ist. Von Maren Cornils 

Er ist der Matthias Schweighöfer unter den deutschen Sängern, und Frauen geraten schon beim Anblick des blond gelockten Berliners mit dem jungenhaften Grinsen ins Schwärmen. Hinzu kommt, dass Tim Bendzko mit seinen gefühlvollen Texten vor allem weiblichen Zuhörern aus dem Herzen spricht. Denn bei Bendzko geht es immer um die Liebe in all ihren Facetten. Um Gefühle, die jeder kennt und die kaum einer so gut in Worte und Texte zu fassen vermag wie der beinahe 30-jährige Sunnyboy.

Es verwundert denn auch kaum, dass bei seinem intimen „Mein Wohnzimmer ist dein Wohnzimmer“-Konzert im Capitol Offenbach Frauen einen großen Anteil des Publikums ausmachen. Der Rest sind Pärchen, und so ist die Resonanz auf Bendzkos Frage, ob männliche Singles im Publikum seien, entsprechend zurückhaltend. Dafür ist der Andrang umso größer, als der Sänger nach einer Dame Ausschau hält, die eine Weile auf dem Sofa inmitten seines plüschigen, im 60er Jahre-Stil eingerichteten Retro-Wohnzimmers Platz nehmen möchte. Sozialpädagogin Gabi zieht das große Los, bekommt von Bendzko galant einen Drink gemixt und darf sich kurz in seiner Aufmerksamkeit sonnen, bevor der Sänger mit „Nur mal schnell die Welt retten“ wieder zum Mikro greift.

Flirt mit dem Publikum

Dass er nicht nur ein guter Sänger, sondern auch ein begnadeter Entertainer und großer Spaßvogel ist, beweist Bendzko in den Pausen zwischen den Songs, in denen er nicht nur erzählt, warum er nach den großen Tourneen mal wieder Lust auf kleine Konzert-Juwelen mit lediglich vier handverlesenen Musikern hatte, sondern auch gesteht, dass er für Spider-Man schwärmt, äußerst beeindruckt von Udo Jürgens war und Reinhard-Mey-Texte auswendig kann. Überdies betätigt sich der „Echo“-Preisträger erfolgreich als Kuppler und ringt Anja und Matthias mal soeben im Verlauf von „Sag einfach Ja“ ein „Ja“ zum Bund fürs Leben ab.

Das Publikum im bestuhlten Saal steht wahlweise Kopf, jubelt frenetisch oder klatscht begeistert mit, immer wieder versuchen Zuschauerinnen durch Zwischenrufe auf sich aufmerksam zu machen. Charmeur Bendzko grinst, genießt, nutzt die eine oder andere Chance zum Flirt, und präsentiert dann in seinen Liedern doch eine ganz andere, viel sensiblere Seite von sich. „Ich wär so gern Dein Held, und wenn ich ohne Fehler wär, wär das auch nicht so schwer“, lautet eine Zeile aus „Ohne zurück zu sehen“.

Dass er sich auch auf machomäßigere Texte versteht, zeigt sich in seiner Neuinterpretation von Grönemeyers „Männer“. Am besten aber ist Tim Bendzko immer dann, wenn er ohne große Show zu sparsamer Beleuchtung seine leisen Titel bringt: „Am seidenen Faden“ etwa, oder auch „Das letzte Mal“ und „Unter die Haut“, das selbst ohne Cassandra Steens unverwechselbares Timbre ein echter Gänsehaut-Song ist. Zumal Bendzko die langsame Nummer ohne Mikrofon und nur mit einer Gitarre „bewaffnet“ anstimmt – und dabei ganz locker beweist, dass er weder Verstärker noch instrumentale Begleitung braucht. Einziger Wermutstropfen: Nach nicht einmal 120 Minuten sind die Zuschauer aus dem lauschigen Wohnzimmer entlassen. Was bleibt, ist ein warmes Gefühl im Herzen, dem selbst der eisige Winterwind nichts anhaben kann.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Kommentare