Schmid spielt Paganini

Teufelsgeiger ganz cool

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Frankfurt - Als Zugaben-Lieferant ist er stark gefragt. Doch Paganinis Violinkonzert Nr. 1 wird nur selten aufgelegt. Das gründet sowohl in dem hohen Schwierigkeitsgrad als auch in den kompositorisch etwas substanzarmen drei Sätzen, obwohl jedes Thema zum Schlager taugt. Von Klaus Ackermann

Das scherte den Wiener Benjamin Schmid nur wenig, ein absolut cooler Teufelsgeiger, der – geschmäcklerisch erhaben – technisch unglaublich präzise aufspielte. Ein weiteres Debüt gab der aus Hannover stammende Dirigent Cornelius Meister, in Schumanns energetischer Sinfonie Nr. 4 dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester starke Impulse vermittelnd.

Dass Paganini gern in Frankfurt konzertierte, ist verbürgt. Weil die freien Reichsstädter schon damals immun waren gegen all die üblen Geschichten um den genialen Virtuosen. Am 26. August 1829 hat er den ersten Satz seines Violinkonzerts D-Dur im Schauspielhaus dermaßen virtuos aufgezäumt, dass etliche Zuhörer der Ohnmacht nahe waren. Das ist beim Museumskonzert in der Alten Oper zwar nicht der Fall, dennoch verblüfft die stupende Technik und gestalterische Gradlinigkeit des Salzburger Mozarteum-Professors, der schon zur Themen-Exposition vorlagegemäß die Zwitschermaschine anwirft.

Wie Schmid die rasanten Läufe und permanenten Doppelgriffe in der Kadenz orchestral wirksam werden lässt, nötigt Respekt ab. Das Museumsorchester fungiert dort eher als Stichwortgeber und Klangkulissen-Schieber. Selbst im Moll-Sentiment verströmenden Adagio, das der virtuose Wiener auf seiner wohlig tönenden ehrwürdigen Stradivari wieder nach allen Regeln der Kunst aufgeigt. Der im spritzigen Finalsatz noch einmal alle Kräfte mobilisiert und selbst im feinen Flageolett erlesene Doppelgriff-Passagen meistert. Wie ein Extrakt des Vorausgegangenen wirkt die Zugabe, Paganinis wohl bekanntestes Capriccio für Violine solo, mit dem sich der offenbar über große Nervenstärke verfügende Solist verabschiedet.

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Vorausgegangen ist Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 mit spannenden Übergängen zu den divergierenden „Fidelio“-Themen, mit dem Trompetensignal aus dem Off und anfänglich leichten Abstimmungsschwierigkeiten, die spätestens bei Schumann Vierter d-Moll vergessen sind. Hinreißend musiziert vom Opernhaus- und Museumsorchester und dem jungen Maestro, der den Fantasie-Charakter dieser thematisch miteinander verknüpften, pausenlos gestalteten Sätze betont und zwischen Romanze - ein wundersames Lied ohne Worte - sowie final die starken Bläser mobilisierendem Hymnus ein aufregendes Seelenleben offenbart. Den Namen Meister sollte man sich merken.

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