Bernhard Brink im Interview

Kaum Chancen für Talente

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Bernhard Brink steht auch mit 60 Jahren noch auf der Bühne. „Man muss dazu stehen, was man macht“, sagt er.

Frankfurt - Am 22. April gastiert die Show „Schlager des Jahres“ in der Jahrhunderthalle Frankfurt. Von Thomas Ungeheuer 

Sänger und Moderator Bernhard Brink will mit Andy Borg, Nicole, Charly Brunner & Simone, „Fantasy“ sowie den Newcomern Wolkenfrei und Alexandra Lexer über drei Stunden hinweg das Publikum mit bekannten und neuen Liedern begeistern.

Herr Brink, wie gelingt es, so lange Erfolg zu haben wie Nicole, Andy Borg oder Sie?

Du musst schauen, dass Deine Musik dem Zeitgeist entspricht. Andy Borg ist einen anderen Weg gegangen. Er hat weniger Alben aufgenommen, weil er mehr moderierte - wie zum Beispiel den Musikantenstadel. Nicole hat wie üblich in der Branche in den letzten Jahren Aufs und Abs erlebt. Und ich selbst habe mich immer um gute Teams bemüht, die meine Musik modern und meinem Alter gemäß produzierten. Mit 60 kann ich nicht mehr singen: Sie stand da, 17 Jahr, und schaute mir in die Augen.

Peter Maffay hat sich früh vom Schlager abgewandt. Muss man Schlager lieben, um ihn glaubhaft zu interpretieren?

Als Peter gerade Rock‘n’Roller geworden war, hat er auch noch Schlager gemacht. Er hat ihn nur ein bisschen anders verkauft. Sogar „Tabaluga“ ist noch sehr dem Schlager verbunden. Die Ausflüge in dieses Genre hat Peter aber stets sehr modern gestaltet. Er hat seinen eigenen Weg gefunden und ist ihn gegangen. Und das finde ich in Ordnung. Man muss dazu stehen, was man macht. Ich glaube nicht, dass ein Künstler über vierzig Jahre hinweg seinem Publikum etwas vorlügen kann.

Auf ihrem neuen Album gibt es ein Lied mit dem Titel „Sommer meines Lebens“. Wie kann man sich sein Leben einrichten, dass es einem Sommer gleicht?

Wenn man wie ich das Jurastudium aufgeben konnte, um die Musik zu machen, die man liebt, dann ist das eine schöne Sache. Und wenn man von seiner Musik langfristig leben kann, ist es großartig. Erfahre ich, dass Kollegen, die in den 70ern erfolgreich waren, jetzt pleite sind, weil sie im Übermut ihren Lebensstandard höher geschraubt hatten, während der Erfolg beim Publikum abnahm, macht mich das immer sehr traurig.

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Wie haben Sie gelernt mit Erfolg und Geld umzugehen?

Ich komme aus einer bürgerlichen Familie. Da hat mein Vater mich gelehrt, wie ich auf das Geld aufpassen muss. Ich habe ja nicht gewusst, wie lange meine Karriere andauern wird. Man kann noch so fleißig sein und gute Musik machen - das Publikum bestimmt über Erfolg und Misserfolg. Deshalb war ich vorsichtig und habe mir gleich zu Beginn meiner Laufbahn Rücklagen geschaffen.

Wie sehen sie den Nachwuchs? Zumindest in den Casting-Shows treten selten junge Musiker auf, um Schlager vorzutragen.

Ja. Aber plötzlich gewinnt Beatrice Egli eine Casting-Show! So etwas wollen die Entscheidungsträger im Radio und Fernsehen häufig verhindern. Dem Nachwuchs gibt man nur selten eine Chance! Das sogenannte Formatradio behindert den Schlager- obwohl wir eine eindeutige demographische Entwicklung haben: 70 Prozent der Menschen sind über 50. Das spielt dem Schlager eigentlich in die Karten. Auch aus solchen Gründen bin ich froh und stolz, dass bei unserer Show in Frankfurt Newcomer wie Wolkenfrei und Alexandra Lexer auftreten.

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