Beseelter Ernst und Heiterkeit

Ein vehementerer Einstieg ist schwerlich vorstellbar. Die unter dem Signum Allroh firmierende Berliner Gitarristin und Sängerin Anne Rolfs setzt mit Schrei und Gitarrenwucht an, und sie hält den Pegel die ganze Zeit hoch. Von Stefan Michalzik

Allroh, die das Doppelkonzert mit dem New Yorker Duo Talibam! im Offenbacher Hafen 2 eröffnete, verwendet puristischerweise keine Effektgeräte. Es ist einzig die hochvirtuose Griff- und Anschlagstechnik, aus der die Gitarristin ihr klangschöpferisches Potenzial entwickelt. Ihr Spiel ist in differenzierter Weise brachial – ihre Stimme aber vermittelt ein Gefühl von Melancholie.

Es sind deutsche Wörter, die Allroh verwendet. Das merkt der Zuhörer erst nach einer Weile, denn es sind allenfalls ein paar Fetzen zu verstehen. Die spröde Melodiosität des gegen die eigentliche Natur der Stimme in die Höhe getriebenen Gesangs sorgt für die folkige Note, mit jener Brücke zur lärmigen Gitarre, die einst Neil Young geschlagen hat. Was sie tut, ist von schnörkelloser Konsequenz und Ernsthaftigkeit.

Anarchische Clowns

Talibam! hingegen präsentieren sich als anarchische Clowns. Eine technische Panne münzt das aus Brooklyn stammende Duo gleich zu einem amüsanten Wechselsprechgesang. Das ist der perfekt improvisierte Einstieg zu einem musikalischen Vaudeville, das anmutet wie eine Übertragung der Errungenschaften von Frank Zappa und seinen Mothers of Invention in die zeitgenössische Ära.

Schlagzeuger Kevin Shea und Keyboarder Matt Mottel entfachen einen rotzigen Zauber aus harschen Rhythmen und bratzigen Orgelklängen. Die im Blues verwurzelte Musik verfolgt eine konsequente Linie. Stilzitate von Reggae und Dub bis zu Drum’n’Bass dienen als Mittel zum musikalischen Zweck und nicht als Reservoir der Beliebigkeit.

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