Besser als Brimborium

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Sängerin hinter Gittern: Alicia Keys eröffnete ihre Deutschland-Tour in Frankfurt mit dem Lied „Caged Bird“.

Majestätisch schiebt sich ein Eisenkäfig mit Alicia Keys als attraktivem Inhalt durch den Lichttunnel. In Sepiatönen gehaltene Projektionen von internierten Menschen in Lagern illuminieren eine gigantische Hightech-Bühne der Marke Las Vegas mit standesgemäßer Showtreppe. Von Ferdinand Rathke

Klotzen statt kleckern lautet beim amerikanischen Weltstar die Devise. In den kommenden 90 Minuten bleibt in der voll besetzten Frankfurter Festhalle garantiert nichts bloßem Zufall überlassen.

Wirklich Bedarf am gewiss unterhaltsamen Brimborium hat Alicia Keys eigentlich nicht. Schließlich ist die 1980 in New York geborene Sängerin, Pianistin, Komponistin und Produzentin nicht Madonna oder Britney Spears, die mangelndes Talent durch aufwändige Inszenierungen und lancierte Skandale kaschieren müssen. Gilt die Tochter eines Afroamerikaners und einer irisch-schottischen Sängerin italienischer Herkunft doch als eine der letzten aufrechten Vertreterinnen der zumeist nur noch durch Selbstgefälligkeiten sich kennzeichnenden Genres Soul und Rhythm’n’Blues.

Keys enttäuscht nicht. Weder mit wandelbarer Stimme, die mühelos mehrere Oktaven bravourös bewältigt. Noch mit ihrem wunderbar einfühlsamen Spiel auf der Tastatur eines auf Drehscheibe rotierenden Flügels. Grandios sind Songs wie „Pray For Forgiveness“, „If I Ain’t Got You“ und das im Duett gesungene „Diary“ ganz ohne Ensemblebegleitung.

Doch bleibt der Akustikteil eine Ausnahme im repräsentativen Querschnitt durch vier millionenfach verkaufte Alben. Konzessionen an den Massengeschmack erfordern weitere spektakuläre Einlagen. Das wirkt mitunter ein wenig aufgesetzt bei dem sich auch für die eigene Stiftung Keep A Child Alive und für Menschenrechte einsetzenden Allroundtalent.

Allerdings übertreibt Keys den Zirkus nicht. Kein allzu nacktes Fleisch à la Beyoncé oder Rihanna. Aber auch nicht allzu züchtig präsentiert sich die 29-Jährige. Dafür prasseln pausenlos positiv besetzte Worte wie Hope, Change oder Justice von Projektionsflächen. Nicht fehlen dürfen Konterfeis von Martin Luther King, Bob Marley und Mahatma Gandhi. U2-Frontmann Bono oder Live-Aid-Initiator Bob Geldof wären wohl ähnliche Elemente eingefallen, um ihre Botschaft einem Massenpublikum schmackhaft zu machen.

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