Bestens erholt aus der Pause

Frankfurt - The Get Up Kids absolvieren den Neustart nach dem Karrieretiefpunkt, der 2005 die Auflösung und vier Jahre später die Reform nach sich zog, mit Bravour. Von Ferdinand Rathke

Begeistert sind die Besucher in der Frankfurter Batschkapp, Viele hielten der Band schon die Treue, als das Ensemble aus dem US-Mittelwesten noch als Anheizer für Formationen wie Green Day herhielt und mehr Häme als Zuspruch erfuhr.

Eine zweijährige Klausur in Übungsraum und Aufnahmestudio half dem Quintett auf die Sprünge, sorgte für kommerzielleren Anspruch und ausgeprägteres Selbstverständnis, wie die Auszüge des aktuellen Werks „There Are Rules“ mit dem Energiebolzen „Tithe“ unterstreichen. Obwohl sich das Profil wohltuend von der früheren Identität abhebt, auf eins legen die Fünf aus Kansas City wenig Wert – ihr Äußeres. T-Shirt oder Hemd, verwaschene Jeans, ausgetretene Turnschuhe vermitteln den Eindruck, als hätten sich die Roadies selbstständig gemacht.

Doch auf edlen Zwirn sind die zahlreichen, dem Teenalter entwachsenen Fans nicht abonniert. Die mehrheitlich männlichen Anhänger möchten Musik zum Abtanzen hören, nicht Mannequins beim Posieren zusehen. Ohne viele Worte die kostbaren Gitarren wechselnd, leitet Frontmann Matthew Pryor von einem zum nächsten Song über. Der Gitarrist und Sänger überzeugt mit Stimmqualität.

Punk, Grunge, Rock und Country

Unterstützt wird der Komponist und Bandgründer von Jim Suptic, der mit perlenden wie treffsicheren Gitarrensoli und Harmoniegesang das Repertoire fantasievoll ausmalt, aber auch abwechslungsreich das eine oder andere Stück als Hauptvokalist bestreitet. Keyboarder James Dewees mimt den Nerd mit Hang zu Jazzstrukturen und Avantgarde-Anleihen. Solide liefert das Brüderpaar Ryan und Robert Pope Rhythmusmuster an Bass und Schlagzeug.

Facettenreich im Ausdruck, mit ungeheurer Spielfreude tasten sich The Get Up Kids stilsicher durch fünf Alben. Dominierten einst raue Gitarren das mit Punk, Grunge, Rock und Country durchzogene Klangbild, steht nun die Suche nach dem perfekten Popsong im Mittelpunkt. Ehemals stark amerikanisiert, ist das Konzept jetzt universell. Ruhige Stücke mit melancholischem Kern wechseln mit Power Pop britischen Zuschnitts. Faszinierend die Ausflüge in den Elektro-Pop. Etwas Rebellion darf da nicht fehlen: „I’m A Loner Dottie, A Rebel“ von 1999 funktioniert ebenso wie eine Coverversion von Blurs „Boys & Girls“ zum Finale.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Thomas Siepmann

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare