„Bestiarium“ im Senckenbergmuseum

Frankfurt - Im zweiten Konzert der neuen Reihe „Bestiarium“ im Senckenbergmuseum standen Arbeiten zeitgenössischer Komponisten in einer Begegnung mit dem namensgebenden Klassiker von Mauricio Kagel auf dem Programm, diesmal mit der aus der Ensemble Modern Akademie hervorgegangenen Manufaktur für aktuelle Musik. Von Stefan Michalzik

Herkömmliche Instrumente waren vor den großen Walskeletten die Ausnahme. Der Frankfurter Komponist Volker Staub, Jahrgang 1961, erschließt musikalische Kosmen aus der Analyse von Klängen, die beispielsweise Glasgefäße mit abgesägtem Boden hergeben. Oder eben Holz, wie in 19/VII für Baumstämme, Witterungsinstrumente und Posaune von 1991. Die auf den Baumstämmen getrommelten Rhythmen sind unregelmäßig, darüber legt sich eine sphärische Trompete.

In sublimer Weise verweist Robin Hoffmanns chorisches Vokalwerk Locken für Birkenhahnseptett von 2008 auf die Grausamkeit der Jagd. Die kompendienhaft wirkenden Studien nach der Natur für sechs Performer mit ihren Imitationen von Natur- und Alltagsgeräuschen des Österreichers Peter Ablinger indes erscheinen in ihrer kaum mehr als handwerklichen Spiegelung belanglos.

Das als „Elektronikkomposition“ ausgewiesene Stück Kanon mit Schalentieren (2008) von Maximilian Marcoll, Jahrgang 1981, geht in abgründig dezenter Weise an die Grenze des schwarzen Humors: Zu hören ist das Klangbild einer Küchenszene. Dieser böse Humor wie auch das theatrale Element sind nicht weit von Mauricio Kagel entfernt. Im Bestiarium des 2008 verstorbenen Komponisten wird ein Vogel sprichwörtlich in Pfanne gehauen.

Die Fertigkeiten der jungen Musiker sind immens. Um so verblüffender ist es allerdings, dass ausgerechnet in der Schule der in diesen Dingen so souveränen wie erfahrenen Musiker des Ensemble Modern die performative Seite unterentwickelt ist.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Gabi Schönemann

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