Besuch der großen Dame des Gesangs

Wiesbaden - Sie hat die großen Wagner-Partien verinnerlicht. Daran knüpfte Sopranistin Waltraud Meier beim Konzert des Rheingau Musik Festival im Wiesbadener Kurhaus an. Von Klaus Ackermann

Begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dessen Chefdirigent Marek Janowski der starken Wagner-Dominanz Beethovens energisch durchformte „Eroica“ entgegensetzte.

Hochspannung ist beim polnischen Maestro oberstes Gebot. So scheint das Meer bereits nach wenigen Takten von Richard Wagners Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer“ zu beben. Ein kontrollierter Aufruhr, mit dem Holländer-Motiv zentral. Selbst die populären Themen (Steuermann-Lied) haben bei Janowski diesen geisterhaften klanglichen Durchzug.

Von unerfüllter Liebe künden auch die fünf Orchesterlieder auf Texte jener Mathilde Wesendonck, die Wagner zum „Tristan“-Drama inspiriert hatte. Wie mit Engelsstimme taucht Waltraud Meier tief ein in diese empfindsamen Welten, ein lyrischer Sopran, makellos in der Höhe, dessen nachhaltiger Ausdruck die Todessehnsucht glaubhaft macht. Traumhaft eingebettet in einen schier schwelgerischen Strom des Orchesters, bei dem lediglich die Hörner Abstimmungsprobleme haben. Die sind spätestens beim „Tristan“-Vorspiel vergessen, ein orchestraler Rausch mit zielsicherem Höhepunkt, von Chefdirigent Janowski in Sachen Dynamik wie am Mischpult reguliert. Und beim „Liebestod“ wirkt Waltraud Meier einmal mehr schwärmerisch der Welt entrückt: Geht es um Wagner, kommt keiner an dieser großen Dame des Gesangs vorbei, wenn auch ihr Sopran vorlagegemäß verhaltener tönt als sonst.

„heroische Sinfonien“

Wehe wenn sie losgelassen – vom Zwang der klanglichen Balance mit einer sanft insistierenden Frauenstimme. Kraftvoll und durchzugsstark ist der Einstieg des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin in Beethovens „heroische Sinfonie, komponiert, um das Andenken eines großen Menschen zu feiern“. Zwei Fortissimo-Schläge in Es-Dur, schon sind die Celli bereit fürs sangbare Dreiklangthema der Eroica, auch bei Janowski dramatisch aufrüttelnd und wie ein Monument.

Nachdrücklich tönt der Trauermarsch mit seinem Trost spendenden Streichergesang, Geisterhaft bis derb-rustikal das Scherzo mit dem diesmal perfekten Hörner-Trio. Und in großer dynamischer Spannbreite schließlich das Finale mit dem markanten Prometheus-Thema, dessen Variationen immer wieder überraschen. Die finale Freudenhymne wirkt ansteckend. Und ist selbst nach der Zugabe, dem Allegretto scherzando aus Beethovens Sinfonie Nr. 8, noch im Ohr.

Rubriklistenbild: © E. Arnold/ pixelio.de

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