Betörend perfektes Handwerk

Frankfurt - Wie sehr die Leidenschaft des Duos Hurts für deutsches Kino auf die Ästhetik abgefärbt hat, zeigt sich in der Jahrhunderthalle: Zwei Gestalten in Kutte erinnern an expressionistische Stummfilme wie „Nosferatu“ oder an die Edgar-Wallace-Streifen der 60er Jahre. Von Ferdinand Rathke

Um die Stimmung anzustacheln, flötet der adrett gekleidete Frontmann Theo Hutchcraft in akzentfreiem Deutsch ins Mikro: „Was für ein schöner Abend. . . 1000 Dank, Deutschland!“ Hysterie und Verzweiflung paaren sich unter ungleichen Vorzeichen. Für das überproportional weibliche Publikum eine Versuchung der unwiderstehlichen Art. Nach Hause nehmen dürfen die vom Anblick Stimulierten die Jungs aus Manchester am Ende des 70-Minuten-Gastspiels indes nicht. Der Appetit lässt sich mittels Kauf am Andenkenstand zügeln.

Schuld am Aufruhr in der Damenwelt sind nicht nur Sänger Theo Hutchcrafts und Multiinstrumentalist Adam Andersons Attraktivität vor schwarzweißer Kulisse, die sie mit Begleitern und einem Streichquartett teilen. Betörend wirkt das solide Handwerk. Wann hat man zuletzt einen so perfekten Melodienreigen zwischen Elektropop und New Wave gehört? Jeder Song des Debütwerks „Happiness“ schwelgt in harmonischer Opulenz – nicht nur die ausgekoppelten Renner „Wonderful Life“, „Illuminated“ und „Stay“. Da stimmt jede Note, sitzt jeder Akkordwechsel, passt jede Strophe, zündet jeder Refrain!

So sei Hurts verziehen, dass sie sich bei Kollegen wie Spandau Ballet, Pet Shop Boys oder Tears For Fears bedienen; ohne Schuldgefühle übrigens: Was in der Wissenschaft als Plagiat gilt, etikettiert sich im Pop als Zitat ohne Anführung – oder als nostalgisches Revival.

Rubriklistenbild: © pixelio.de / Gabi Schönemann

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare