Betörende Gesänge

Frankfurt - Als in den Siebziger Jahren ein Wirbelsturm namens Disco die schwarze Popmusik durcheinander wirbelte, war es um den Soul geschehen. Zumindest um den erdigen, bluesverwurzelten Southern Soul, mit dem etwa die Plattenfirma Stax zur Legende wurde. Von Christian Riethmüller

Doch das Genre verschwand nicht ganz, sondern lebte in Liebhaberzirkeln, in Zitaten oder auch in Samples von HipHop-Hits fort. Außerdem fanden sich immer wieder Musiker, die den Sound von Motown, Stax oder Hi Records bewahren wollten.

Exemplarisch dafür könnte man jene Musikerszene im New Yorker Stadtteil Brooklyn nennen, die mit dem Daptone-Label verbandelt ist und unter anderem die Musik zu Amy Winehouses immens erfolgreicher Platte „Back To Black“ einspielte. Einige dieser Musiker haben sich wiederum zu neuen Formationen namens Menahan Street Band und The Expressions zusammengefunden und sind zwei Veteranen der Soul-Szene zur Hand gegangen: Lee Fields und Charles Bradley. Mit denen traten sie zu einem ordentlich besuchten Konzert im Mousonturm in Frankfurt an, um den Soul-Aficionados die Freudentränen in die Augen zu treiben. Sowohl Fields als auch Bradley haben ihren James Brown und ihren Wilson Pickett genau studiert, zudem aber genügend Persönlichkeit in ihren Stimmen, um jeden Gedanken an Epigonentum sofort zu vertreiben. Tatsächlich dürfte in Sachen Soul derzeit kaum etwas Besseres zu hören sein als die betörenden Blut-, Schweiß- und Tränengesänge der beiden Herren.

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