Bibel-Porträt eines starken Kämpfers

Er ist ein Mann der Tat, ein alttestamentarischer Gotteskrieger, der die falschen Propheten schlachten lässt, der ein totes Kind zum Leben erweckt und das Volk Israel auf den rechten Weg führt, an dessen Unglauben er dennoch fast zerbricht. Felix Mendelssohn hat das biblische Porträt des Propheten Elias in seinem gleichnamigen Oratorium in starken klanglichen Bildern erstellt. Von Klaus Ackermann

Deren Unmittelbarkeit bannte in der Basilika des Klosters Eberbachs Ton um Ton, von Spezialisten der historischen Klangforschung angerichtet: Der Belgier Philippe Herreweghe, ein zu dramatischer Hochform auflaufender Kammerchor aus Collegium Vocale Gent und Coro dell’ Accademia Chigiana, das Orchestre des Champs-Élysées und erlesene Solisten wiesen eindringlich nach, zu welch intensiver Klangsprache der Romantiker Mendelssohn, an dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird, fähig war, lyrische Hingabe inbegriffen. Dass dennoch die Textverständlichkeit zu wünschen übrig ließ, mag der Basilika-Akustik geschuldet sein. Klarheit könnte der Mitschnitt des Hessischen Rundfunks schaffen, am Montag, 14. September, um 20.05 in hr2-Kultur zu erleben.

Schon vor der Ouvertüre lässt Elias im donnernden Rezitativ die Israeliten den Zorn Gottes spüren, eine große Dürre prophezeiend. Deren Furcht und Unruhe entlädt sich in kleinen Notenwerten mit noch kleineren Pausen, gelegentlich auch ein Opfer der scharfen, aber immer natürlich wirkenden Tempo-Impulse Herreweghes, dem die enge Verzahnung des großen klanglichen Apparats ideal gelingt.

Der dem auf historischen Nachbauten spielenden Orchester silbrig feine Streichertöne entlockt, aber das Rumpeln der Tieftöner billigend in Kauf nimmt, die samt Holz- und Blechbläser in den Begegnungen zwischen Gottes- und Götzendiener Fahrt aufnehmen. Beim Schlusschor „Herr unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name“ scheinen die Klangpfeiler des barocken Händel nicht fern.

Schon legendär ist Herreweghes Chorpflege, in den großen Situationsbildern auch aus dem Stand für packende Szenen sorgend, aber vor allem in den gläubigen Betrachtungen, in den stimmlich so natürlichen, weil völlig vibratolos gesungenen Engelschören, die spontan anrühren. „Hebe Deine Augen“, das zum Volksgut gewordene Terzett der himmlischen Wesen, zeigt wieder einmal auch die individuelle Klasse des Kammerchors.

Dem stimmen die Gesangssolisten makellos zu. Namentlich Simona Saturovas fülliger, ausdrucksvoll mahnender Sopran in „Höre, Israel“, Gerhild Rombergs dunkel eingefärbter, insistierender Alt („Weh ihnen, dass sie von mir weichen“) – sie war kurzfristig für Christiane Stotjin eingesprungen – und Maximilian Schmitts kerniger Tenor, auch in drucklos erreichter Höhe überzeugend. Nicht zuletzt begeistert ein Titelheld, der sich von Anbeginn in großer Opernform präsentiert, ohne das Theatrale zu überziehen. Der Wiener Florian Boesch ist ein Elias der klaren alttestamentarischen Ansage, dessen Bariton den Posaunen von Jericho Konkurrenz macht. Dessen feinfühligere Stimme freilich auch Selbstzweifel abstrahlt, bis hin zur Todessehnsucht. Eben ein starker Kämpfer – für Gott und Mendelssohn.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare