Billy Idol in der Jahrhunderthalle

Das Krächzen des Rebellen

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Frankfurt - So wenig eine Sicherheitsnadel durch die Backe für eine Haltung steht, so wenig hatte William Michael Albert Broad alias Billy Idol eigentlich je mit Punk am Hut. Von Christian Riethmüller

Die gebleichten Haare, die Nieten, das Leder und die zerrissenen Klamotten waren nur die geeignete Verpackung, um Anfang der Achtziger Jahre aufgebrezelten Rock’n’Roll unters Volk zu bringen. Das gierte damals nicht unbedingt nach kreischenden Gitarren, was sich aber bald ändern sollte. An Renaissance hatten Idol und vor allem auch sein Gitarrist Steve Stevens ihr Quäntchen Anteil, was nicht nur Stevens’ prägnanten Riffs, sondern auch seinen Posen geschuldet war. Und so schummelten sich Idol und Stevens als Punker in die Herzen vieler, die mit Punk eigentlich gar nichts anfangen konnten.

In den Herzen oder im Bewusstsein ist Idol seit damals geblieben, nicht zuletzt, weil seine großen Hits wie „Rebel Yell“, „Sweet Sixteen“ oder „Eyes without a face“ aus den Achtziger Jahren allgegenwärtig scheinen und noch immer fleißig gespielt werden. Daher füllt Billy Idol auch noch ohne weiteres große Säle wie nun die Jahrhunderthalle Frankfurt, wo er nun knapp zwei Stunden lang ein Gutteil seiner Erfolge sowie Material seines gerade gerade veröffentlichten Comeback-Albums „Kings & Queens of the underground“ präsentierte.

Songs des neuen Albums wie „Can’t break me down“ oder „Save me now“ boten den bewährten Idol-Sound, was man angesichts des Mitwirkens von Steve Stevens erwarten durfte. Was allerdings immer mal wieder fehlte, war Idols Stimme. Der fast 59 Jahre alte Sänger erreicht nicht mehr stets die nötigen Tonlagen. So bewegte sich Idol manchmal auf dem schmalen Grat hin zur Selbstparodie, wenn er mit entblößtem Oberkörper gar zu sehr an den Jungrocker mit der steifen Oberlippe erinnern wollte, der er vor 30 Jahren einmal war. Dabei würde sein „Rebell Yell“ auch in tieferen Lagen funktionieren.

Billy Idol rockt Jahrhunderthalle Frankfurt

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