Bizarre Blüten aus Barcelona

An der Peripherie gedeiht bekanntlich manch bizarres Gewächs. Was die Popmusik anbelangt, ist Spanien ein Land, das ganz gewiss nicht im Zentrum der Wahrnehmung liegt. Von Stefan Michalzik

Doch besonders im Hinblick auf elektronisch produzierte Spielarten sind gerade die Metropolen Barcelona und Madrid sehr rege. 6PM stammen aus der galizischen Provinz. Die Stücke des Duos, das im Offenbacher Hafen2 gastierte, sind durchweg Songs, keine Tracks, Sie verwenden ein elektronisches Instrumentarium, handgespielte Instrumente kommen hinzu.

Im Grunde sind 6PM Singer/Songwriter mit anderen Mitteln. Sie sind in die Melodien verliebt und bauen ihre Nummern immer um diesen Kern herum. Den Gesang teilen sich Raul Mon und Iván Oubina. Wenn man die Vokalharmonien zum Maßstab nimmt, lassen sich 6PM als so etwas wie Simon & Garfunkel mit Synthesizer und Laptop charakterisieren.

Meist grooven die Songs mächtig, man könnte sehr gut zu ihren Rhythmen tanzen. 6PM machen zwar Anleihen von House bis hin zu Drum’n’Bass, ausgesprochene Eklektiker sind sie jedoch nicht. Sie haben ihre eigene Handschrift und machen sich diverse musikalische Mittel dienstbar, fern jeder Beliebigkeit. Mal tickt ein nervöser Beat, dann wieder schaffen wuchtige Trommelschläge eine pathosfreie Dramatik. Die programmierten Sounds bilden die Grundierung, E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard legen sich im multiinstrumentalen Wechsel darüber. Die spieltechnischen Fertigkeiten sind durchaus begrenzt. Wie so oft in der Popmusik aber kommt es auch bei 6PM gar nicht darauf an.

Raul Mon und Iván Oubina sind famose Songschreiber und verstehen eine Menge von popmusikalischer Dramaturgie. Die Klänge können mitunter harsch sein, doch im Grunde sind 6PM ausgesprochene Lyriker. Zum Schluss, in der Zugabe, steigert sich der Sound ins Gigantische. Eine Band, die der Entdeckung wert ist.

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