Blut und Buenos Aires

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Leidenschaft aus Argentinien: Szene aus der Tanz-Show von Tango Pasión

Fröhlich-verspielt ist das Orchester in der Milonga drauf. Die Kleidchen der sechs Tango-Tänzerinnen drücken die Brüste nach oben, zeigen trainierte Beine und muskulöse Rücken. Fitness-Königin Madonna wäre neidisch auf diese Körper. Von Kathrin Rosendorff

Die Unterschenkel verhaken sich mit denen der Männer, sie strecken ihre Beine an deren Körpern entlang oder machen einen Rückwärtssalto. „Diese Sprünge und das Miteinander-Verhaken gehört sich in einer normalen Milonga gar nicht“, erzählt Tänzerin Melina Sol Greco. „Aber das ist Show“, fährt die 25-Jährige hübsche Blondine fort. Sie trägt Pagenschnitt und zehn Zentimeter hohe, dünne High Heels. Normaler Tango-Tanzabsatz, behauptet sie. Auch beim Abendessen im Restaurant trägt sie hohe Absatz-Stiefelchen. Die Argentinierin ist Teil von Tango Pasión und tourt mit dem Programm „Último Tango“ durch Deutschland. Dort tritt sie nicht in Milongas (so nennt man in Argentinien die Tango-Tanzlokale), sondern auf den großen Bühnen auf.

Tango Pasión gibt es seit 1992

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Abgesehen von den Akrobatik-Einlagen ist die Show authentisch argentinisch. Kein Musical, keine konstruierte Geschichte. Einfach Tango. 90 Minuten lang. „Tango Pasión ist mehr Buenos Aires, mehr Blut als andere Tango-Stücke“, sagt Fernando Rodriguez. Der 31-Jährige ist nicht nur Tanz-, sondern auch Liebespartner von Melina Sol Greco. Seit einem Casting. Überhaupt sind drei der sechs Tango-Paare ineinander verliebt. „Klar hilft das bei der Chemie“, so Rodriguez. „Aber es kann auch schlimm sein, wenn wir uns zum Beispiel gestritten haben und dann so eng tanzen müssen“, entgegnet Melina Sol Greco. Tango Pasión gibt es seit 1992, bis vor kurzem spielte live auf der Bühne das Sexteto Mayor Orchester. Mittlerweile sind alle legendären Mitglieder gestorben. Die Nachfolge hat das Opus Tango Orchestra übernommen – sechs der besten Tango-Virtuosen Argentiniens (zwei Bandoneonspieler, eine Geigerin, ein Schlagzeuger, eine Kontrabassistin, ein Pianist). Auch Sängerin Vanina Sol Tagini sorgt für Milonga-Gefühl.

Jugendliche hören Tango electrónico

„Último Tango“ gastiert am 12. Januar in der Alten Oper Frankfurt.

Zu dem gehört viel, viel Gel in den Tangotänzerhaaren. „Das ist Tradition“, betont Rodriguez und wischt sich eine Gel-Strähne aus dem Gesicht. Er selbst hat erst mit 19 Jahren mit dem Tango-Tanzen angefangen. „Ich habe erst jahrelang argentinische Folklore getanzt. So ist das bei den meisten männlichen Tänzern“, erzählt Rodriguez. Auch seine Freundin Melina hat erst mal Jazz und Modern Dance gelernt. „Sonst könnte ich auch gar nicht diese Sprünge hinkriegen“, glaubt sie.

Als beide Teenies waren, war Tango eher uncool. „Das hat sich mittlerweile sehr geändert“, betont Melina Sol Greco. „Viele argentinische Jugendliche hören Tango electrónico und fangen irgendwann an, echten Tango zu mögen und in Milongas tanzen zu gehen.“

Diese sind auch tolle Dating-Zonen. „In den traditionellen Milongas sitzen sich Frauen und Männer auf Stühlen gegenüber, und dann neigt der Mann den Kopf nach links als Zeichen der Aufforderung“, erklärt Rodriguez. „Und beim engem Tanzen flüstert der Mann der Frau ins Ohr: „Wie heißt du eigentlich?“

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