Bodenständiges Repertoire

Dem internationalen Personal, das derzeit auf Festspielbühnen Opernhits schmettert und streicht, machten bei den Seligenstädter Klosterkonzerten bodenständige Gäste aus Darmstadt Konkurrenz. Das Devienne-Ensemble, vornehmlich bestehend aus Mitgliedern des Staatstheaters, erwies dem ehrwürdigen Ambiente mit anspruchsvollerem Repertoire Reverenz. Von Eva Schumann

Ein frisch-fröhlicher Beginn war Mozarts B-Dur-Streichquartett KV 458, dem die Hornsignale seines Kopfsatzes den Beinamen Jagdquartett eingetragen haben. Obwohl Horst Willand als Primarius, die Bratschistin Claudia Merkel-Hoffmann, der Cellist Albrecht Fiedler und ein ungenannter Kollege als zweiter Geiger das Werk locker und ansprechend musizierten, war ihr Verzicht auf Wiederholungen weise. Denn das opulente Programm enthielt nicht nur vier weitere Instrumentalwerke, sondern war auch noch mit vier Gesangsnummern angereichert.

Der Klarinettist David Wolf brillierte in Webers B-Dur-Klarinettenquintett. Das Streichquartett, in dem konzertant angelegten Werk eher untergeordnet, begleitete ihn zuverlässig. Besonders wirkungsvoll war der romantische Adagio-Satz, wunderbar passend zur Sommernacht-Stimmung. Zu Recht hatten die Veranstalter wieder auf ihren guten Draht zu Petrus vertraut.

Taperer Widerstand gegen den Zehn-Uhr-Glockenschlag

Flötistin Sabine Willand hatte ihren solistischen Auftritt im Concerto in e-Moll op. 57 von Saverio Mercadante. Sie erwies sich den virtuosen Anforderungen gewachsen und widerstand tapfer dem Zehn-Uhr-Glockenschlag, der mitten in ihre Kadenz platzte. Willand ist Mitglied des 1989 gegründeten Quartetts, das sich nach dem Flötisten und Mozart-Zeitgenossen François Devienne nennt und dem sechsköpfigen Ensemble vorausging. Leider war weder über sie, noch über ihre Partner im Programmblatt etwas zu erfahren.

Auch informierte dies zwar über den sattsam bekannten C. M. von Weber, nicht jedoch über Mercadante, von dem man heute nur noch das e-Moll-Konzert mit dem „Rondo russo“-Ohrwurm kennt. Weitere Hits waren Puccinis „Crisantemi“ und Mascagnis Intermezzo sinfonico. Die Musiker gaben ihnen in der Formation als Streichquartett oder als Sextett viel Schmelz.

Bass Christoph Kessler, Mitglied des Darmstädter Opernchors, stellte dem Mozartschen Quartett die Sarastro-Arie „In diesen heilgen Hallen“ zur Seite. Dem tiefen Register seiner Stimme war die sommernächtliche Kühle im Kreuzgang nicht günstig. Besser profilierte er sich in der komischen Verleumdungs-Arie des Basilio aus dem „Barbier von Sevilla“.

Bei seiner temperamentvollen Kollegin Nina Radvan ließ in der „Carmen“-Habanera die voluminöse Tiefe nichts zu wünschen übrig. So sinnvoll reduzierte Besetzungen für barocke und klassische Werke sind, die abgespeckte Instrumental-Version zur Begleitung der leidenschaftlichen Carmen wirkte hier doch etwas kümmerlich, wenn nicht komisch.

Der Sopranistin war mit Musettas Arie „Quando m’en vo“ aus „La Bohème“ das Finale anvertraut. Das zahlreich erschienene Publikum ließ die Gäste jedoch nicht ohne Zugaben ziehen und erklatschte noch die Ohrwürmer „O mio babbino caro“ und „Old man river“.

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