„The Sound of Hollywood“ in Frankfurt

Bombast-Kino für die Ohren

Frankfurt - Schöne runde Sache dieses Kino für die Ohren. In der bestens besuchten Alten Oper begeistert das City of Prague Philharmonic Orchestra mit opulenten Filmmusiken aus Kassenschlagern wie „Indiana Jones“, „Gladiator“ oder „Avatar“. Von Peter Müller 

Pro7-Allzweckwaffe Steven Gätjen, „unser Mann am Roten Oscar-Teppich“, moderiert auf entzückend launige Art, Broadway-Musical-Diva Lana Gordon besingt James Bonds „Skyfall“ so schön wie Adele - und Maestro Nic Raine plaudert sogar aus dem Dirigenten-Nähkästchen.

Da taumelt die kleine weiße Feder also wieder im Himmel über Amerika, wird in Zeitlupe durch das legendäre Monument Valley geweht und landet schließlich vor einer Parkbank in Savannah/Georgia, auf dem ziemlich verdreckten Turnschuh eines ziemlich skurrilen Dauerläufers, der Tom Hanks 1995 seinen zweiten Oscar beschert hat. Die Eingangssequenz aus Robert Zemeckis „Forrest Gump“, untermalt von Alan Silvestris Suite, ist vielleicht die berührendste von vielen ikonographischen Szenen aus „The Sound of Hollywood“ - einer Konzerttour, die ganz bescheiden den Untertitel „Worlds of Adventure“ trägt und den Vorhang für die Meisterwerke der Filmmusik öffnen will. Das tut sie auch auf beeindruckende Art, nicht nur für ausgewiesene Cineasten: Rund siebzig Musiker drängen sich da unter einer Großbild-Leinwand und sorgen immer wieder für einen monumentalen, kristallklaren Sound, der einen in der Tat mitten in die Leinwand-Abenteuer von „E.T.“, „Star Trek“-Captain Kirk oder Brian de Palmas „The Untouchables“ eintauchen lässt. Bei allem Jubel über die Gala der Prager Symphoniker muss man auch bemerken, dass sich da ein relativ kleines Fenster zur großen, meist Oscar-prämierten Musik der Traumfabrik öffnet.

Erst ein Exklusivvertrag mit Paramount Pictures, einem von fünf US-Studio-Giganten, hat es möglich gemacht, dass zumindest ein gutes Quantum an Original-Szenen während der Tournee gezeigt werden darf - aber eben nur aus Paramount-Produktionen wie „Pearl Harbor“ (mit Hans Zimmers „Tennessee“-Thema und dem von Lana Gordon wunderbar interpretierten Song „There You’ll Be“) oder Alan Silvestris „Zurück in die Zukunft“-Sound, der - netter Gag - den durch die Zeit rasenden DeLorean-Sportwagen im Video mal eben am Berliner Pannen-Flughafen und an der Elbphilharmonie-Baustelle vorbeifliegen lässt.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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An anderer Stelle stößt der avisierte Zauber des Ganzen erwartungsgemäß an technische Grenzen: Wer die phantastischen Tableaus aus James Camerons Mega-Werk „Avatar“ kennt, weiß, dass die Magie der Bilderwelten vom Planeten-Paradies „Pandora“ so richtig erst über 3D-Technik entsteht. Und der Bombast von James Horners Suite ohne diese dritte Dimension schon fast zu einem akustischen Overkill gerät. Auch Christopher Nolans visuellem Science-Fiction-Kunststück „Inception“, für dessen Hauptthema wiederum Hans Zimmer den Piaf-Song „Non, je ne regrette rien“ virtuos variiert hat, gehen in der „Sound of Hollywood“-Version die surrealen, faszinierenden Special-Effects-Szenen - etwa mit auf den Kopf gestellten Pariser Straßenzügen - vollends ab. Aber das ist wohl Meckern auf hohem Niveau.

Rubriklistenbild: © dpa

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