The BossHoss: Die Band ist die Show

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Sascha „Hoss Power“ Vollmer in seinem Element. 

Offenbach - Eben noch normales Grundrauschen im Saal bei erloschenem Licht und „The Real Boss Hoss“ aus der Konserve, jenem Song der der US-Band The Sonics, der The BossHoss ihren Namen gab. Von Anke Steinfadt

Dann fängt von einer Sekunde auf die andere die Stadthalle zu beben an. Mit der krachigen Eigenkomposition „Last Day (Do Or Die)“ eröffnen die sieben BossHoss-Musiker und drei Bläser in Mariachi-Kostümen das ausverkaufte Konzert in Offenbach, letzte Station der „Liberty Tour“. Hände fliegen in die Luft. Es wird applaudiert, gepfiffen, mitgesungen. Die Besucher, angeheizt vom Brachialrock des Trios Triggerfinger aus Antwerpen, sind zum Feiern fest entschlossen.

Weder Videoleinwände noch Pyrotechnik, nicht mal ein Stroboskop-Gewitter, sind notwendig, um in der Halle ein wahres Feuerwerk zu entzünden. . Und was zählt, ist die Musik. Vorn am Bühnenrand sitzen Sänger Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer und zelebrieren den Mythos, den sie selbst für sich erfunden haben: Cowboy-Kumpels sind sie, aus „Berlin, Mississippi“, mit jeder Faser ihres Körpers dem Rock’n’Roll verpflichtet.

Bilder vom Konzert in der Stadthalle

The Boss Hoss in der Offenbacher Stadthalle

Geboten wird ein Querschnitt aus allem, was The BossHoss seit 2005 hervorgebracht haben. Da sind zum einen die zu Country-Rock-Hynmen arrangierten Fremdhits, mit denen sie bekannt wurden, wie etwa Britney Spears „Toxic“ oder „Hey Ya“ von Outkast, die erste Erfolgssingle der Großstadt-Cowboys. Zum anderen die Eigenkompositionen, ein Großteil vom neuen Album „Liberty Of Action“: „Run Run Devil“, „Money“ – und natürlich das aktuelle „Don’t Gimme That“. Der bislang erste Top-Ten-Hit hat mit seiner lässigen Funk-Rock-Note ein Alleinstellungsmerkmal und weckt die Hoffnung auf mehr in dieser Richtung.

Feinrippunterhemden und Stetson-Hüte sind auf der Bühne kein Muss mehr. Die Hemden dürfen jetzt auch schwarz sein. Im Publikum sind die Accessoires eher in der Minderheit. Zur Stimmung bedarf es ihrer auch nicht. Davon ist zweieinhalb Stunden lang genug vorhanden. Meist auf oberstem Energielevel. Zwischendurch auch einmal ruhiger, als sich alle zehn Musiker am Bühnenrand gruppieren und mit Dionne Warwicks „I Say A Little Prayer“ und dem in „My Country“ übersetzen Rammstein-Titel „Mein Land“ für eine Verschnaufpause sorgen.

Ausgelassene Saloon-Atmosphäre später wieder bei „Yee Haw“. Etliche Frauen werden auf die Bühne geholt. Dazu zwei Mädchen, schätzungsweise zehn Jahre alt, die Schilder mit „Yee“ und „Haw“ hochhalten. Von der Echte-Kerle-Show zur bunten Familienunterhaltung und wieder zurück: Es ist schrill, es ist laut, es ist schweißtreibend. The BossHoss selbst haben sichtlich ihre helle Freude daran. Sie feiern ihr Publikum locker unter den Tisch. Mit Abbas „Thank You For The Music“ vom Band werden die Fans glücklich erschöpft nach draußen begleitet.

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