Boyz II Men in der Stadthalle

Ohnmachtsanfälle blieben aus

Offenbach - Dem Namen schon ist es eingeschrieben. Ewige Jugend ist nicht möglich. Boyz II Men: Aus Jungs werden Männer - und irgendwann sind sie ältere Herren. Von Stefan Michalzik

Es hat schon etwas merkwürdiges, wenn die verbliebenen drei von ursprünglich vier Sängern der schwarzen einstigen Boygroup heute, als reife Anfangvierziger mit einer Statur, für die das schmeichelnde Wort „vollschlank“ erfunden worden ist, die standardisierte Choreografie dieses Genres praktizieren. Ungewollt wirkt das ein wenig grotesk, ohne Charme ist es nicht. Zumal dann doch bisweilen eine gewisse Ironie im Spiel zu sein scheint.

Einst sprengten Boys II Men die Hitlistenrekorde in den Vereinigten Staaten, über sechzig Millionen Tonträger sollen sie verkauft haben. Lang her. Im 23. Jahr nach ihrem Debütalbum „Cooleyhighharmony“ gastierten sie in der Offenbacher Stadthalle, mittelprächtig ist sie besucht gewesen. Früher sind sie gern ganz in weiß und jedenfalls schick in Erscheinung getreten - diesmal verblüffte das lässige Outfit in schwarzer Sportswear - das aus ihnen noch lang keine coole HipHop-Gang macht.

Gespart hat man sich gleich auch noch die Band. Da das nicht so leicht begreiflich sein mag lieber noch mal deutlich: Das Trio um die Gründungsmitglieder Nathan Morris, den nicht verwandten Wanya Morris und Shawn Stockman - Michael McCary musste 2003 einer Krankheit wegen aussteigen - hatte keine Musiker im Rücken. Es handelte sich also praktisch um eine Karaokeshow. Im Hintergrund des überwiegend retrospektiven Programms wurden alte Videos abgespielt. In der Summe ist das eine Unverschämtheit, es grenzt an Betrug am Kunden.

Könige der - verbliebenen - Fans sind Boyz II Men gleichwohl geblieben, Stimmung kam auf. Tatsächlich hätte es, ein anständiges Begleitensemble vorausgesetzt, eine ansehnliche Show werden können. Denn erstrangige Könner ihres Fachs sind Boyz II Men schon. Die Musik ist einförmig auf zwei Gleisen: Es reihen sich triefend jubilierende Liebesballaden, dazwischen tun sich moderate R&B-Tanznummern auf. Schon erstaunlich, dass es ihnen gelungen ist, praktisch zwei Songs derart oft massenhaft zu verkaufen.

Die Stimmung schwappte ausgerechnet bei einer Folge alter Soulnummern aus dem klassischen Repertoire von Motown hoch, gleichsam als schwungvolle Coverband ohne sonderlich eigenständigen Zugang. Als Verbeugung von den Urahnen. Das in den sechziger Jahren stilbildende Label, war es auch, das Boyz II Men entdeckt hatte. Alles an diesem auf gewisse Weise durchaus animiert wirkenden Abend ist in jeder Hinsicht unspektakulär gewesen. Davon fallen keine Mädchen mehr in Ohnmacht.

Rubriklistenbild: © dpa

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