Brahms zu Ehren

Offenbach - Der Prophet gelte nichts im eigenen Land, sagt der Volksmund. In Offenbach ist das anders. Jenseits der wie eine Kulturachse wirkenden Berliner Straße begann lautstark die „15. Offenbacher Woche“. Von Eberhard Mittwich

Währenddessen fand im Büsingpalais das Brahms-Konzert des renommierten Vokalensembles Prophet statt.

Fast dreißig Chorsänger stimmten unter der Leitung des langjährigen Dirigenten Christoph Siebert mit drei Gesängen für sechsstimmigen Chor auf das dem großen Wiener Tonkünstler gewidmete Programm ein und ließen mit der Liedzeile „Frühling ist draußen“ (aus „Darthulas Grabesgesang“) sogar einen erfreulichen aktuellen Wetterbericht hörbar werden.

Die Herren des Ensembles mussten sich danach einstweilen von der Bühne zurückziehen, weil Gesänge für Frauenchor op. 17 folgten. In den Stücken nach Texten überwiegend deutscher Autoren wie Clemens Brentano, Wilhelm Müller und dem mythischen Ossian (eigentlich: James Macpherson) sowie Joseph von Eichendorff setzten die Naturhörner von Thorsten Hagedorn und Merlin Nowozamsky sowie Harfenistin Jenny Ruppik solistisch Akzente, bevor die Pianisten Hilko Dumno und Hedayet Djeddikar die bekannten Ungarischen Tänze Nr. 1, 5 und 6 für Klavier zu vier Händen hin- und mitreißend interpretierten.

Höhepunkt und Abschluss war der wieder vereinte Chor mit dem Liebeslieder-Walzer zu vier Singstimmen und Klavier zu vier Händen, dessen Gesamteindruck sich bis zum Lied Nr. 6 („Ein kleiner, hübscher Vogel“) kontinuierlich steigerte. Es sollte als Zugabe ein Konzert beschließen, bei dem die Sänger und ihre Begleiter mit ihrem Dirigenten enthusiastisch gefeiert wurden.

Nur ein schlafendes Mädchen in der ersten Reihe hat leider davon nichts mehr mitbekommen: Die musikalische Früherziehung muss da noch etwas nacharbeiten!

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