Branford Marsalis mit Uraufführung

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Jazzer Branford Marsalis beim Museumskonzert.

Frankfurt - In der sogenannten Klassik kam die Erfindung des Adolphe Sax nicht über ein Exoten-Dasein hinaus. Aus dem Jazz ist das Saxophon freilich kaum wegzudenken. Von Klaus Ackermann

In beiden musikalischen Genres fühlt sich der Amerikaner Branford Marsalis pudelwohl, beim Museumskonzert in der Alten Oper sogar mit einer Uraufführung aufwartend, dem „Concerto for one Player with two Saxophones“ des Berliner Komponisten Peter Aderhold. Keineswegs museal wirkte in diesem Kontext Beethovens „Eroica“, deren kühne formale Anlage Sebastian Weigle und das druckvoll gestaltende Opern- und Museumsorchester mit viel Leben erfüllten.

Zum Jazzer-Ritual gehört das Kollektiv, aus dem die Solisten sich mit Improvisationen lösen, um dann wiederum die alte instrumentale Position einzunehmen. Auch Branford Marsalis, von Jazz-Legenden wie Sonny Rollins oder Miles Davis geprägt, muss man erst einmal suchen. Hat er sich doch bei Debussys Rhapsodie für Saxophon und Orchester unter die Holzbläser gemischt.

Dass diese Auftragskomposition für den französischen Impressionisten eine schwere und vor allem langwierige Geburt war, ist kaum zu glauben. So zielstrebig entwickelt sich das typische Debussy-Idiom der vielen changierenden Orchesterfarben mit den schon liebgewonnenen melodischen Formeln – fürs sinnliche Flair sorgt statt der Querflöte eben das Altsaxophon, expressiv geblasen, mit dezentem Vibrato dem Klang der Hörner erstaunlich nahe.

Sax-Concerto

Dass er mit der erweiterten Tonalität noch etwas anfangen kann, zeigt Aderhold (geb. 1966) in seinem Sax-Concerto. Ein Auftragswerk der Museums-Gesellschaft, dessen schwerblütige Intro die vielschichtigen Entwicklungen Debussys weiterdenkt. Mit dem Sopransaxophon als lyrischen Impulsgeber. Rhythmisch südamerikanisch orientiert, entwickelt Marsalis auch auf dem Tenorsaxophon in den wie improvisatorisch anmutenden, jazzig angerissenen Solo-Passagen mitreißenden Spielwitz. Bis hin zu den düsteren Orchesterakkorden des Finalabschnitts, in die Weigle das Orchester geheimnisvoll abtauchen lässt – mit dem Sopransax mal drüber oder dem Tenor mal drunter – durchweg spannend. Und vom Publikum spontan angenommen, das neben dem anwesenden Komponisten vor allem den Saxophonisten feiert.

Marsalis gibt sich auch in der Zugabe locker swingend. „Mack The Knife“ stimmt er spontan an, erntet indes beim Orchester nur ein verhalten gezupftes und gestrichenes jazziges Gemurmel. Dessen Ehrenrettung kommt nach der Pause, mit Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur.

Bei Weigle wirkt die „Eroica“ von Beginn an so energisch wie klanglich balsamisch und dynamisch zielstrebig. Und der zwischen Tod und Verklärung tief gründende c-Moll-Trauerhymnus hält ebenso gefangen, wie das grandios entwickelte finale Thema zum Mitsummen reizt. Da sind nicht nur Hörner und Holzbläser – auch ein stillvergnügtes Streichquartett ist mittendrin in seinem ureigenen Element.

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