Bravos für eine Legende

Wiesbaden - Routine scheut Pianist Olli Mustonen wie der Teufel das Weihwasser. Daher wundert es nicht, dass der finnische Exzentriker Beethovens ganz persönliche Aussagen im Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll noch mit ureigenen Ansichten befrachtet, was spannend ist, aber Manieriertheiten nicht ausschließt. Von Klaus Ackermann

Ganz anders dagegen der Umgang mit klanglichem Gut bei Maestro Herbert Blomstedt, immer dem Werk verpflichtet und mit den wie aus einem Guss aufspielenden Münchner Philharmonikern die himmlischen Längen der „Großen Schubert-Sinfonie“ Nr. 8 C-Dur als pure Kurzweil ausgebend.

Weg vom virtuosen Gelegenheitswerk zeigt Beethovens Klavierkonzert in der Schicksal-Tonart c-Moll schon individuellen Charakter, ohne nun gleich den Poltergeist zu mobilisieren. Hier knüpft Mustonen an, der selbst mild perlende Figuren gestalterisch fixiert. Und dies mit ausladender Körpersprache, als müsse er sich selbst motivieren. Diese große Freiheit bringt allerdings auch so manche Ungenauigkeit mit sich. Da spielt einer unter Hochdruck nach Noten, macht aus der Kadenz eine Arpeggien-Etüde und nebelt grelle Triller im Pedaldampf ein. Immer wieder auch tempomäßig eingefangen von einem Orchester, das im Lied-Largo mit melodiösem Gesang die eigentliche Richtung vorgibt. Doch der Finne konzentriert sich lieber aufs pianistische Beiwerk, noch die kleinste Nebenfigur ausstanzend.

Allein das lebendige Rondo bremst den Tasten-Titan. Hier hört man tatsächlich Beethoven, weil das Orchester mit stimmlicher Leichtigkeit dagegenhält. Versöhnlich dann die Zugabe, Nr. 1 der „Gesänge der Frühe“, idealer Übergang zu Schuberts „Großer Sinfonie“. Mit minimaler Zeichengebung erzielt Blomstedt wieder einmal maximale Wirkung.

Ob nun hymnischer Hörner-Ton, heimelige Holzbläser-Idylle, anmutiger Walzertakt zwischen Rokoko-Anmut und derb-wienerischem Trio oder ein mehr als tausend Takte umfassendes Finale – alles ist organisch miteinander verbunden, ein aus vielen Kanälen gespeister Klangstrom, den die Münchner spielerisch zu regulieren verstehen. Spannende sinfonische Prosa beim Rheingau-Festival und Bravos für eine dirigierende Legende.

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