Briten huldigen reinstem Klang

Die vokale Gestaltung übernimmt fast ausschließlich der Chor: Damit ist „Israel in Egypt“ einzigartig unter den Oratorien von Georg Friedrich Händel.  Von Axel Zibulski

Aber auch mit diesem Werk, das auf der alttestamentarischen Schilderung von der Heimkehr der Israeliten durch das Tote Meer basiert, hat Händel eine Art Drama im Oratoriengewand geschrieben. In der ausverkauften Basilika von Kloster Eberbach interpretierte John Eliot Gardiner das 1739 in London uraufgeführte Werk mit dem von ihm gegründeten Monteverdi Choir und dem Kammerorchester English Baroque Soloists.

Zwar gab Gardiner auch in diesem Konzert desRheingau Musik Festivals dem aseptisch tadellosen Klang seines exzellenten Kammerchors den Vorzug gegenüber allzu handgreiflicher musikalischer Drastik. Doch Händels effektvollen Lautmalereien bei der Schilderung der zehn von Gott über das Land der Ägypter geschickten Plagen verliehen selbst Gardiner und seine English Baroque Soloists starke plastische Gestalt. Dabei wirbelten die Fliegen in den schier endlosen Sechzehntelläufen der Streicher stechend genau über das Land, die Finsternis legte sich in tiefen Bläsern fahl, aber eben immer noch elegant und edel nieder. Die Baroque Soloists kommen Gardiners hohem Perfektionsanspruch auf historischen Instrumenten bestens nach.

Die Mitglieder des Monteverdi Choirs waren auch mit den knappen solistischen Partien betraut – eine Praxis Gardiners, der das Ensemble selbst in Werken mit ausgedehnten solistischen Partien wie den Passions-Vertonungen von Johann Sebastian Bach folgt. Gardiner konnte sich auch bei „Israel in Egypt“ auf Solisten verlassen, die seinen auf klaren Schönklang zielenden vokalen Klangvorstellungen bestens folgten, selbst wenn etwa die Durchsetzungsfähigkeit der beiden Bassisten im Duett des zweiten Teils („The lord is a man of war“) in der Basilika recht unterschiedlich ausfiel. Der Monteverdi Choir sang schlicht perfekt, mit natürlichem Duktus in den erzählenden Passagen, mit Macht und, wo nötig, Schärfe als Stimme des Volkes – einer der gewichtigsten Beiträge des Rheingau Musik Festivals zum 250. Todestag Georg Friedrich Händels.

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