Bruckner-Zyklus endet magisch

Eltville - Er ist vollbracht: Mit der unvollendeten Neunten wurde Anton Bruckners Sinfonien-Zyklus des Rheingau Musik Festivals in Kloster Eberbach vollendet. Von Klaus Ackermann

Wie schon in vielen Jahren zuvor bot das WDR-Sinfonieorchester eine beeindruckende Bläser-Phalanx in der Basilika auf, die den üppigen Nachhall zu nutzen verstand. Ein bewegendes sinfonisches Erlebnis mit deutlichen Hinweisen auf Befindlichkeiten wie auf den unverbrüchlichen Glauben des Spätromantikers. Und bei dem wiederum völlig uneitel, dafür aber umso sachdienlicher dirigierenden Eliahu Inbal von exemplarischem Charakter.

Voraus geht das „Siegfried-Idyll“ des von Bruckner abgöttisch verehrten Richard Wagner. Der dem Anlass entsprechend – einer Huldigung seiner zweiten Ehefrau Cosima zu deren 33. Geburtstag – auf Wolke sieben gewesen sein muss. Im milden Licht der Basilika entwickeln diese Liebesbekenntnisse, feinfühlig und mit viel Chroma verarbeitete Eigenzitate, einen eigentümlichen Reiz. Vor allem im orchestralen Nachbeben der Höhepunkte sorgen sie für schöne Schauer.

„Dem lieben Gott“ hat Bruckner seine neunte und letzte Sinfonie gewidmet, wie bei Beethoven in d-Moll. Dem Menschen erscheint sie mit ihren riesenhaften Steigerungen, mit ihren dämonischen und hoffnungsvollen Aspekten so faszinierend wie unheimlich. Vor allem im höllischen Scherzo, dessen Reibungen Inbal bis an die Schmerzgrenze auslotet, in gnadenlosem dreifachen Fortissimo, das – wie so oft bei Bruckner – plötzlich abreißt, um schönen Gedanken im Streicher-Wellengang Raum zu geben.

Wenn dann final die Wagner-Tuben himmlische Akkorde anstimmen, weiß man, dass ein Getriebener seine Ruhe gefunden hat. Am Ende werden Inbal und das in allen Sektionen hoch motivierte, nahezu perfekt aufspielende WDR-Sinfonieorchester anhaltend gefeiert. Und man hofft auf eine CD-Einspielung dieses Bruckner-Zyklus. Schon der eigentümlichen Basilika-Akustik wegen mit ihren magischen Momenten.

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