Liebeslieder im Rheingau

Bürgerliche Hausmusik als Hort der Triebe

Geisenheim - Vielleicht haben die Herren in Liebesangelegenheiten die etwas schlichteren Gemüter. Vielleicht waren die Damen auf dem Podium in Schloss Johannisberg aber auch einfach die passionierteren Interpreten. Von Axel Zibulski

Einst dienten Robert Schumanns „Spanisches Liederspiel“ und seine „Spanischen Liebeslieder“ dem bürgerlich-häuslichen Musizieren, ebenso die „Liebeslieder-Walzer“ von Johannes Brahms. Was das Sublimieren ins Kunstvolle natürlich nicht ausschließt.

Im Fürst-von-Metternich-Saal widmeten sich Ruth Ziesak (Sopran) und Anke Vondung (Mezzosopran) zusammen mit Werner Güra (Tenor) und Konrad Jarnot (Bass) den Ensembleliedern. In Schumanns „Spanischem Liederspiel“ op. 74, komponiert auf Emanuel von Geibels Übersetzungen spanischer Lyrik, konnten Ziesak und Vondung den Reimen von „Kummer“ auf „Schlummer“, von „Tränen“ auf „Sehnen“ mehr Witz, Farben, Stimmung, auch Präzision abgewinnen. Güra mit seinem recht eng geführten und flach timbrierten Tenor, auch Jarnots mehr leichter als nachdrücklicher Bass betonten vor allem die schlicht-naiven Seiten dieses Liederspiels, das eher schemenhaft szenische Lebendigkeit andeutete. Die Pianisten Christoph Berner und Camillo Radicke konzentrierten sich in den „Spanischen Liebesliedern“ op. 138 auf zuverlässige Begleitung, die Ausdruck und Stimmungskolorierungen weitgehend vermissen ließ.

Vitaler wirkte die Auseinandersetzung mit den „Liebeslieder-Walzern“ op. 52 von Johannes Brahms auf knappe Gedichte von Georg Friedrich Daumer. Vor allem Mezzosopranistin Anke Vondung sorgte für den treffenden jugendlich-schwärmerischen Tonfall. Die Erinnerung ans romantische Ensemblelied setzte sich in zwei Zugaben fort, Schumanns Rückert-Vertonung „So wahr die Sonne scheinet“ sowie in einem Dacapo aus den Brahms-Walzern.

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