Burgfestspiele in Dreieichenhain

Italienische Opernnacht: Charmante Enthusiasten

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Erfahrene Gesangssolisten und die Musiker der Groß-Polnischen Philharmonie servierten ein populäres Programm.

Dreieichenhain - Zum Schluss „O sole mio“. Riesenjubel und viel Heiterkeit. Das Finale als beschwingte Nummer mit dem Solistenensemble, der Conferencier, ein Opernenthusiast mit einer geschulten Stimme, vermag beim Schmettern mitzuhalten, Selbstironie inbegriffen. Von Stefan Michalzik 

Unterhaltung auf einem ansehnlichen Niveau ist bei der seit langem eingeführten Italienischen Opernnacht der Burgfestspiele in Dreieichenhain gewährleistet gewesen, im besseren Sinne wirkte das handgemacht, in einer gewissen Opposition zu reisenden Großunternehmen. Ein populäres Programm mit Arien und Ensembles aus dem Belcanto und ansprechenden Sängern; mit seiner Kammerbesetzung ist die Groß-Polnische Philharmonie aus Kalisch natürlich zu klein für die Musik des romantischen Zeitalters, solcherlei muss der Ökonomie gehorchen; der Dirigent Hermann Breuer ist keiner, der Kanten hervorkehrt, es wurde abgerundet musiziert.

Keiner, der nicht engagiert bei der Sache gewesen wäre, es ist eine Portion Charme als Häubchen im Spiel gewesen, da ist nichts zu mäkeln. Im vergangenen Jahr galt das Programm Verdi, diesmal ging es um die Zeit vor und vor allem nach dem Meister und seiner Forderung nach „Verità!“. Davor stand Vincenzo Bellini, mit der Ouvertüre aus „Norma“ ging es los.

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Einen frühen Höhepunkt setzten der Bass Walter Donati und der Bariton Lothar Fritsch mit dem so schlicht wie spannungsreich dargebrachten Duett „Il rival salver tu dei“ aus „I Puritani“; expressiv aufgeladen sang Ramona D’Uva die Arie „Ebben ne andro lontana“ aus Alfredo Catalanis „La Wally“, später „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“, mit einer warmen, in der Höhe aufblühenden Stimme. Maurizio Scarfeo vermochte unter anderem in „Di provenza, il mar, il suol“ aus Verdis „La Traviata“ mit einem sonoren, dynamisch fein abgestuften Bariton für sich einzunehmen. Wirkungsmächtig aus dem Verhaltenen heraus zu agieren versteht die Mezzosopranistin Kremena Dilcheva, etwa in „Voce di donna“ aus Ponchiellis „La Gioconda“. Die Rolle des Paradetenors ist dem jungen Rumänen Razvan Sararu zugekommen, inklusive „Nessun dorma“ am Ende; er schmettert nicht bloß klanggewaltig, er versteht sich auf Nuancen.

Bilder vom Auftakt der Burgfestspiele

Auftakt der Burgfestspiele 2014

Einer seminarhaften Bestrebung abhold hält sich der aus Rüsselsheim stammende Plauderhans Rainer Zagovec, er stellt die Dreieichenhainer Opernnacht auch zusammen, lieber an das Anekdotische und den zuweilen etwas schalen Witz. Am Ende hat man aber ob des angesprochenen Enthusiasmus selbst darüber gegrinst, wenn auch kopfschüttelnd.

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