Burleskes an Tasten und Bestseller zum Mitsingen

Ein Wiedersehen mit Zdenek Macal, dem dirigierenden Weltbürger, hat allemal beglückende Momente. Denn der tschechische Maestro, mit dem Frankfurter Museumsorchester in bester Eintracht, gewinnt auch der Romantik noch den gewissen Neuigkeitswert ab.

Ein Bestseller wie Smetanas „Moldau“, zum Mitsummen geeignet, und Burleskes an Tasten, mit technischen Tücken gespickt, ergaben eine Melange nach Feinschmecker-Art. Für die selten zu erlebenden Konzertstücke von Carl Maria von Weber und Richard Strauss hatte der Wahl-Wiener Rudolf Buchbinder in der Alten Oper Frankfurt sogar seinen Beethoven-Furor vorübergehend vergessen.

Larghetto affettuoso, Allegro passionato – schon die Tempobezeichnungen des Konzertstücks f-Moll signalisieren Leidenschaft. Von Weber hat zwischen heftigem Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude ein urromantisches Programm im Sinn. Mit dem Klavier im Mittelpunkt, das sich in die melodischen Moll-Impulse der kultivierten Holzbläser förmlich hineinkniet, es aber auch nach anheimelnden Marsch so virtuos krachen lässt, dass mancher aus dem Sekundenschlaf aufschreckt. Buchbinder scheut weder scharfe Tempi noch Kräfte zehrende Oktav- und Akkordgänge. Und man ahnt, was für ein guter Pianist von Weber gewesen sein muss, Solist der Uraufführung des 1821 vollendeten Werks.

Noch einmal aufgerüstet hat das Macals beschwörende Dirigierimpulse akribisch umsetzende Frankfurter Museumsorchester in der Burleske d-Moll von Richard Strauss, einem frühen Opus, bei dem der Münchner von Webers „Aufforderung zum Tanz“ (Titel eines Klavier-Rondos) verinnerlicht. Denn über allen Wassern schwebt der Walzertakt, mit burlesken rhythmischen Dreingaben des Kesselpaukers, dem ein Sonderlob gilt.

Da scheinen die typischen Strauss’schen Klanggestalten noch im Probedurchlauf. Der spitzbübische Till Eulenspiegel wie der derb walzernde Ochs aus dem „Rosenkavalier“, dessen bittersüße Morgenstimmung in einer Art „Valse triste“ präsent ist. Versehen mit klavieristischen Klangtupfern, rasanten Läufen und donnernden Geschwindpassagen, die Buchbinder bis zum finalen Hammerakkord so lustvoll auskostet, wie man das dem letzten Wiener Klassiker nie zugetraut hätte.

Buchbinder, gebürtig aus Böhmen, Dirigent Macal aus dem mährischen Brünn: Smetanas sinfonische Dichtungen „Mein Vaterland“ sind so zwangsläufig Programm. Und der tschechische Maestro entwickelt ein grandioses klangliches Panorama des alten Prager Burgfelsens Vysehrad, wo der Barde Lumir mit anmutigem Harfenklang einen edlen Ritter-Mythos beschwört.

Dann die „Moldau“, so geschwind von den Quellen bis zur Mündung fließend, als hätte sie Hochwasser: Phänomenal, was die beiden Querflötistinnen nahezu durchgängig leisten. Im steten klanglichen Szenenwechsel fällt wieder einmal der märchenhafte Nymphenreigen auf. Dass im Zyklus selbst der hehre Recken mordenden Amazone Sarka ein Denkmal gesetzt wird, könnte eine Mahnung sein. Auch wenn’s final passt, wenn das Museumsorchester nach verführerischen Klarinetten-Lockrufen noch einmal effektvoll Fahrt aufnimmt – Bedrich Smetana muss der „Wacht am Rhein“ misstraut haben. Von wegen „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ ...

KLAUS ACKERMANN

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