Carpendale des Rap

Längst sind die Instrumente im Rap wieder fest etabliert. Mit einer Band samt Background-Duo tritt auch Curse in Erscheinung. Der aus dem ostwestfälischen Minden stammende Kojak des deutschen Raps hat sich einst im New Yorker Underground umgesehen, dann aber einen anderen Weg eingeschlagen.

Curse, der mit Geburtsnamen Michael Kurth heißt, sparte beim Konzert zum Schluss der Tournee im Frankfurter Mousonturm nicht mit Publikumsanimationen. Nach konventionellen Maßstäben gemessen ist er ein souveräner Entertainer. Ein virtuoser Rapper ist er nicht. Das vorherrschende Parlando hat mit Rap im klassischen Sinne nicht mehr viel gemein. Musikalisch greift Curse auf Errungenschaften des Souls zurück und stellt sie in einen zeitgenössischen Zusammenhang.

Ein Abend mit Curse mutet dergestalt allseitig abgeschliffen und unter Anwendung altbekannter dramaturgischer Mittel durchkalkuliert an, dass sich ein Eindruck von Pflichterfüllung aufdrängt. In den Texten, beispielsweise in der gemeinsam mit Silbermond eingespielten Singlenummer „Bis zum Schluss“, geht es derart oft um Liebe im gefühlsduseligen Schwundzustand, dass Curse der Titel „Howard Carpendale des deutschen Raps“ gebührt. Und die „Freiheit“, die Curse meint, wenn er Marius Müller-Westernhagen in einer ungewöhnlichen Form des Samplings ins Studio bittet, ist derart beschaffen, dass er ebenso gut auf „Freizeit“ plädieren könnte.

STEFAN MICHALZIK

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