Chains of Love

Prickelnde Popbrause mit nostalgischem Flair

Offenbach - Chains of Love sind schier umwerfend. Der Sound des aus dem kanadischen Vancouver stammenden Sextetts, das im spärlich besuchten Offenbacher Hafen 2 einen hinreißenden Auftritt hingelegt hat, ist nostalgisch. Von Stefan Michalzik

Es ist das Genre des von dem Hitschreiber und Produzenten Phil Spector fundamental geprägten Girlgroup-Pops der frühen sechziger Jahre um Bands wie die Ronettes und die Shirelles, das Chains of Love neu beackern. Dem Original entsprechend ist das Klangbild opulent, mit Hall und gehöriger Lautstärke, schließlich gilt es Spectors legendären „Wall of Sound“ zu kopieren.

Bei den markanten rhythmischen Vorgaben des Schlagzeug wippt jeder mit: So swingten die Sixties, und diese Musik ist heute genauso bezwingend wie damals. Der Gitarrist und Produzent Felix Fung, der Chains of Love gemeinsam mit der Leadsängerin Nathalie Pizzaro gegründet hat, bewegt sich vorwiegend auf den tiefen Saiten seines Instruments, hinzu kommen Orgel oder E-Piano. Hier weiß man noch, was eine wirkungsvolle Basslinie ist - und überhaupt ist immer alles am rechten Platz. Die Songs sind kompakt, auf dem famosen Debütalbum „Strange Grey Days“ finden neun Perlen in einer Zeit von noch nicht einmal einer halben Stunde Platz.

Retro ist diese Musik im besten Sinne. Es geht nämlich durchaus nicht um eine sklavische Treue zum Original, sondern vielmehr um eine spielerisch freien Umgang. Bei allen Anleihen ist das Klangbild dann doch beträchtlich rumpeliger als einst bei dem ohnedies schon auf eine gewisse Rauheit bauenden Phil Spector. Die Songs sind klar strukturiert nach klassischem Muster, eine gewisse räudige Unterströmung erinnert an die Post-Punk-Ära der achtziger Jahre.

Nathalie Pizzaro und die Harmoniestimme Rebecca Marie Law Gray sind grandiose Sängerinnen - und starke Frauen, die gleichwohl für jeden Schmachtfetzen gut sind. Pizzaro raut ihren vollkehligen Alt auf, sie erinnert ein wenig an die Tina Turner der frühen – und besten - Phase mit ihrem Ehescheusal Ike. „Ooh, ooh Darling“ hat schon lange niemand mehr so überzeugend vorgetragen wie die sich dabei ans Herz greifende Pizzaro. Zu vielen Nummern schwingen die beiden Sängerinnen Tamburin und Schellenkranz, eines der musikalischen Zeitzeichen der sechziger Jahre. Selbstverständlich hat das Duo auch den Tanzstil dieser Tage sorgfältig studiert.

Eine lässige Emphase ist die unerschütterliche Basis der gesamten Band. Ohne die beseelt-souveräne Professionalität sämtlicher Beteiligter würde diese charmante Popbrause nicht prickeln.

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