Chanson im Wandel

Und sie ist es doch. Das Foto auf der neuen CD „Kabaret“ nährte den Verdacht, eine andere wolle sich den Ruhm der Patricia Kaas zu eigen machen. Doch sie ist es eindeutig, die da im Licht der Scheinwerfer auf der Bühne der ausverkauften Alten Oper Frankfurt steht: Frankreichs erfolgreichster Musik-Export, die Frau, die bereits mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft hat.

Und die immer mal wieder zeigt, dass sie sich verändern kann, ohne sich untreu zu werden. Die größte Veränderung: Auf dieser Tour gibt die Kaas keine Konzerte im eigentlichen Sinn. „Kabaret“ ist eine Revue – und wer sich darauf einlässt, erlebt einen überaus unterhaltsamen Abend.

Das zugehörige Album ist eine Hommage an die starken Frauen der 20er, 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und um den Bogen in die Gegenwart zu schlagen, das Chanson mitzunehmen in die Zukunft, wechseln sich Jazz- und Swing-Elemente ab mit Elektropop-Klängen. In der Revue setzt Patricia Kaas dies konsequent fort, indem auch ihre Klassiker stilistisch angepasst werden. Das ist manches Mal gewöhnungsbedürftig, wenn etwa Keyboarder und Bandleader Frédéric Helbert in bester DJ-Manier scratcht, wird aber durch die überragende musikalische Leistung der fünfköpfigen Band wettgemacht. Und natürlich durch die Kaas selbst, die mit ihrer wunderbaren rauchigen, fast brüchigen, tiefen Stimme für reichlich Gänsehaut-Momente sorgt.

Doch ist diese Revue als Gesamtkunstwerk angelegt – und da sind die kleinen Schwächen versteckt. Jede Bewegung, jede Geste scheint einstudiert, fast steril. Kaas gibt die Diva, mit Federboa und aufreizenden Gesten. Doch ihre oft bewusst marionettenartigen Bewegungen vermitteln ständig den Eindruck, als würde die Sängerin mit angezogener Handbremse agieren. Gleichzeitig beeindruckt sie wieder im Gleichklang mit ihrer hervorragenden Tänzerin Stéphanie Pignon. Und mit ihrer kühlen Erotik. Extrovertiert war die 42-Jährige schon immer – und auch dieses Mal zeigt sie viel Haut. So trägt sie zu Hose und High Heels auch mal nur BH, während sie sich an der Ballettstange verbiegt. Und im Hintergrund laufen auf der riesigen Leinwand Schwarzweiß-Filme von damals. Wie gesagt, ein Gesamtkunstwerk. Gegen Ende, bei „Mademoiselle chante le blues“, zeigt Patricia Kaas dann noch die Energie, die in ihr steckt. Das Publikum dankt es mit stehenden Ovationen.

Die gebürtige Lothringerin wird ihre Revue noch ein weiteres Mal am 2. Dezember in der Alten Oper präsentieren. Und auf der nächsten Tournee gibt es dann ja vielleicht wieder etwas weniger Hommage und etwas mehr Kaas pur ...

MARKUS SCHAIBLE

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