Charmanter Lausbub flirtet mit Publikum

+
Vielfältig: Michael Bublé beherrscht so ziemlich jedes Format.

Frankfurt Es ist unmöglich, sich dem lausbubenhaften Charme des Kanadiers mit italienisch-kroatischen Wurzeln zu entziehen: Michael Bublé startet mit Arthur Hamiltons „Cry Me A River“ im noblen Swing-Arrangement und hat das Publikum in der vollbesetzten Frankfurter Festhalle schon auf seiner Seite. Von Ferdinand Rathke

Ungeheuer selbstsicher präsentiert sich der Sänger, der kein Schönling ist, sondern eine jungenhafte Biederkeit ausstrahlt, wie sie in den 50er Jahren gefragt war. Aber Bublé weiß genau, in welch heikler Tradition er sich bewegt. Im Gespann mit seinem zwölfköpfigen Orchester offeriert der ungemein schlagfertige Frauenschwarm im Designeranzug Entertainment der Extraklasse.

Bewusst orientiert er sich nicht nur an Frank Sinatra als überlebensgroße Ikone, sondern stimmlich an überragenden Swing-Legenden wie Tony Bennett und Mel Tormé. Selbstverständlich spielt auch Altmeister Paul Anka eine Rolle, der sinnigerweise Bublés Debüt produziert hat.

Minutenlang mit Publikum auf Tuchfühlung

Mit ironischer Distanz verleibt der 35-Jährige sich Klassiker wie Brecht/Weills Mördermoritat „Mack The Knife", Billy Pauls Seitensprunghymne „Me And Mrs. Jones“ oder eben auch das von Frank Sinatra vereinnahmte „All Of Me“ ein. Vergisst pflichtbewusst nicht, seine etwas kitschige Eigenkomposition „Home“ zu integrieren, die er nicht auf der großen Bühne, sondern auf kleinem Podest am Hallenende präsentiert, begleitet von den A-Cappella-Akrobaten Naturally 7, die schon superb das Vorprogramm bestritten. Bublé schreckt selbst vor schrägen Parodien wie Michael Jacksons „Billie Jean“ nicht zurück. Dabei versäumt er es nicht, den Moonwalk, den Griff in den Schritt und den obligatorischen Hund des King Of Pop einzubeziehen.

Sein charismatisches Talent konterkariert Bublé nassforsch in oft minutenlangem Geplausche. Etwa wenn er mal eben „spontan“ über Tiger Woods’ Sexualleben oder über seine angeblich eigene feurige argentinische Verlobte herzieht. Doch nichts macht dem Sonnyboy so sehr Spaß, wie wenn er minutenlang mit seinem Publikum auf Tuchfühlung geht. Schamlos umarmt und busselt er die Damen, aber auch diverse Herren. Lässt sich mit jedem fotografieren, der sich ihm schnell genug an den Hals wirft. Köstlich auch, wenn er in zum Teil gnadenlosen Kommentaren die Musiker seines Orchesters vorstellt.

Liebling aller Schwiegermütter

Konversation pflegt er mit den Herrschaften in den ersten Sitzreihen, nicht immer zum Vorteil der Angesprochenen. Doch präsentiert sich Bublé nicht nur als possenreißender Bonvivant, sondern vor allem als ernst zu nehmender Künstler, der eine auffällige Affinität zu schwitzigem Soul besitzt: Stevie Wonders „For Once In My Life“, Marvin Gayes „How Sweet It Is (To Be Loved By You)" oder das noch ältere „Save The Last Dance For Me" von Ben E. King & The Drifters verwandelt er in edle, groß orchestrierte Suiten zwischen Mitternacht und Morgengrauen. Ganz nebenbei beweist Bublé auch, dass er zu mehr taugt als zum Liebling aller Schwiegermütter.

Kommentare