Internationale Opernnacht in Mühlheim

Charme und Leidenschaft

+
Wiener Lebensfreude in Mühlheim.

Mühlheim - Wiener Lebensfreude und italienische Leidenschaft waren in der sechsten Mühlheimer Opernnacht aufs Schönste vereint. Und auch das Wetter spielte mit. Von Eva Schumann

Zwar hatte das Orchester mit dem Wind zu kämpfen, aber die Regenwolken hielten sich haarscharf so lange zurück, bis die letzten Töne verklungen, das Feuerwerk erloschen und die Autofahrer im Trockenen waren. Sowohl das Publikum in den fast vollbesetzten Reihen, als auch die Veranstalter, das Markwaldtheater und der Kulturgipfel München, konnten zufrieden sein.

Fotos von der Opernnacht

Internationale Opernnacht Mühlheim

Es fing ja auch gut an: die „Fledermaus“-Ouvertüre brachte das Publikum sofort in Stimmung. Maestro Stellario Fagone , stellvertretender Chordirektor der Bayerischen Staatsoper, dirigierte die Frankfurter Sinfoniker mit so viel Schwung und Raffinesse wie ein echter Österreicher. Auch der Donauwalzer als Einleitung zum zweiten Teil des Abends gelang zünftig. Nicht weniger Temperament versprühten die Sopranistinnen mit zwei der köstlichsten Schmankerln aus der Operette. Virginia Goldmann als Stubenmädel Adele konterte dem „Herrn Marquis“ mit kessem Mundwerk. Stefanie C. Braun lieh der verkleideten Rosalinde Stimmfülle und Czardas-Feuer.

Die auch in Venedig ausgebildete, vorzügliche Sopranistin vertrat das leidenschaftlich-dramatische Fach außerdem als Leonora aus „Il Trovatore“ , als verführerische Carmen mit ihrer Habanera und als Maddalena im Quartett mit Rigoletto, Gilda und Herzog. Doch gefiel sie auch als zarte Mimi.

Da Virginia Goldmann, Tochter der Moderatorin Ilona Goldmann, bereits eine alte Bekannte der Opernnacht ist, konnten Stammhörer ihre künstlerische Entwicklung mit Interesse verfolgen. Sie zeigte sich stimmlich dem Soubrettenfach zugeneigt. Trotz sicherer Technik und Gestaltung lagen ihr daher die Violetta im Duett mit Alfredo und die Lakmé aus Delibes gleichnamiger Oper weniger als die Adele, zumal beim Duett Lakmé-Malika die beiden Soprane nicht dem sentimentalen Stil gemäß miteinander verschmolzen. Auch störte zu viel Vibrato beider Partnerinnen. Die junge Sängerin trat außerdem als Gilda im Rigoletto-Quartett und als Musetta auf.

Opernnacht in Mühlheim

Oper unter freiem Himmel. Zu diesem Spektakel lud die 6. Internationale Opernnacht Mühlheim ein.

Zum Video

Mit der Macho-Arie des Duce kann jeder Tenor alle Herzen gewinnen, so auch Héctor Sandoval. Der Mexikaner, der zwischen Bregenz und Kopenhagen wieder einmal Mühlheim beehrte, bot das Lieblingsstück kulinarisch dar - locker, frech, mit geschmackvoller Italianitá. Schmelz, Kraft und präzise Beweglichkeit seines Tenors konnte man auch in den berühmten Arien des Don José und des Cavaradossi sowie in den Ensembles aus „Rigoletto“, „La Traviata“ und „La Bohème“ genießen.

Der junge türkische Bariton Melih Tepretmez, Mitglied der Deutschen Oper Berlin, vervollständigte das Solistenquartett. In der Rigoletto-Arie „Cortigiani“ flehte er herzzerreißend um die Herausgabe seiner entführten Tochter. Trotz dem in der Höhe etwas engen und flachen Timbre beeindruckte er mit kraftvoll männlicher Gestaltung auch in der Arie des Stierkämpfers Escamillo und wohlklingender Partnerschaft im Duett Rodolfo-Marcello.

Auch der Rahmen stimmte: Johann Strauss Vater fiel das Finale zu. Aber der Radetzky-Marsch blieb nicht der Schluss. Das Solistenquartett prostete sich mit zwei Zugaben zu und unter dem Krachen und Zischen des Feuerwerks durfte das Publikum ins „Traviata“-Trinklied mit einstimmen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare