Charme der Werkstatt

Links ein Streichquartett, rechts fünf Bläser, dazwischen im Hintergrund der Flügel von Pierre-Laurent Aimard: Bereits die Aufstellung der Musiker im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt verriet Labor-Charakter. Von Axel Zibulski

Und tatsächlich war der dritte Teil des diesjährigen Interpretenporträts von reichlich Werkstatt-Charme geprägt: Am Ende durfte sich jeder der neun Musiker des Chamber Orchestra of Europe ein Solo-Stück aussuchen. Und weil der Abend im Mozartsaal bereits fortgeschritten war, spielte man die Solo-Werke der Kürze halber und augenzwinkernd synchron, ob Bratschen-Solo von Max Reger oder Fagott-Nummer von Heinz Holliger.

Mit diesem launigsten der vier Teile ging ein ungewöhnliches Programm zu Ende, das Aimard eingangs als „polystilistische Kammersinfonie“ bezeichnet hatte. Will sagen: Dabei kam vieles zusammen, was nicht zusammengehört. Ein Streichquartett-Satz von Beethoven mit zwei Bläserquintett-Stücken des 2006 gestorbenen György Ligeti im ersten Teil, genannt „Fantasie für einen wiederholten Ton“, weil alle der Werk-Ausschnitte mehr oder weniger mit Ton-Repetitionen spielten. Der zweite Teil erinnerte an die Klang-Collagen eines Michael Gielen, Stücke aus Karlheinz Stockhausens „Tierkreis“, verquickt mit Ländlern von Schubert. Erkenntnisgewinn? Eher Fehlanzeige. Nicht alles, was sich auf dem Papier spannend liest, klingt dann auch tatsächlich so.

Gewiss: Die Musiker des Chamber Orchestra of Europe spielten tadellos, besonders akkurat im allein György Ligeti zugedachten dritten Teil – Aimard selbst gilt zu Recht als einer der versiertesten Exegeten von dessen Musik. Eines der kuriosesten Stücke Ligetis ist das „Poème Symphonique“ für 100 tickende Metronome. Bei Aimard samt Freunden gab es eine Version für „zehn menschliche Metronome“, in der jeder Musiker im eigenen Tempo Holzstäbe aufeinander schlug. Der besonders flott einsetzende, aber umso schneller ermüdende Bratscher nahm es mit sichtlichem Humor in eigener Sache. Mehr davon, und der pausenlose, knapp zweistündige Abend hätte zumindest amüsant werden können.

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