Beklemmende Passion des Romantikers

Frankfurt - Trauerarbeit und Glaubensplakat gleichermaßen ist Antonin Dvoraks Stabat Mater, für das sich beim Museumskonzert in der Alten Oper allein vier Frankfurter Chöre stark machten. Von Klaus Ackermann

Klangvolle Kulisse für die beklemmende Marienklage unter dem Kreuz des Gottessohns, deren Gebetscharakter ein Gesangsquartett und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Gerd Albrecht meditativ verdichteten.

Schwere Schicksalsschläge, der Tod seiner drei Kinder, hatten den tschechischen Romantiker zu diesem Bekenntniswerk veranlasst, dessen lateinischer Text auf einer Dichtung des 13. Jahrhunderts gründet. „Deine Qual sei meine Pein“: Angesichts des großen Leids der Gottesmutter Maria am Kreuz Christi will der Gläubige schier emotional teilhaben an ihrem Schmerz. In der finalen Hoffnung aufs Paradies. Dvorak schuf zu den zehn Sätzen eine permanent im ruhigen Zeitmaß fließende Musik, schmerzlich hohl, aber auch mit einprägsamen, immer wieder neuen melodischen Wendungen. Ergreifend bei den Arien- und liedartigen Gebeten der Solisten in Moll, das sich angelegentlich zum hoffnungsvollen Dur lichtet.

Maestro Albrecht, nicht erst seit seiner politisch schwierigen Zeit als erster ausländischer Dirigent der Tschechischen Philharmonie ein Dvorak-Kenner, setzt hier auf klassische Maße, nur wenige dynamische Spitzen zulassend. Und auf ein Orchester, das mit feinfühligen Holz- und Blechbläsern auch beim schmerzvollen Vorhalt noch klangmalerische Pracht entfaltet.

Die Armada aus Cäcilien- und Figuralchor, aus Frankfurter Kantorei und Singakademie tönt gleichsam con sordino, vor allem beim reizvollen harmonischen Grundieren noch im Pianissimo eine Macht, die reinen Frauenchöre wie von Engelstimmen, die Männer von purem Klang-Samt, ausdrucksinnig in choralartigen Passagen.

Bei den per Quartett nicht immer intonationssicheren Solisten harmonieren Sopranistin Petra Froese und der lyrische, aber auch kernige Tenor Jaroslav Brezina stimmlich ideal. Wie ein Rezitativ wirkt das Bass-Solo des Kielers Carsten Sabrowski, der bar jedweden Opern-Gepränges intoniert, während Jana Sykorovas weit ausschwingender dunkel timbrierter Alt Hoffnung auf ewiges Leben beschwört. Beim finalen Trauermarsch schraubt sich das Quartett in strahlendes Dur empor. Wahrlich paradiesisch der A-Capella-Chor, und zur orchestral einprägsamen Himmelfahrt macht selbst Albrecht das dynamisch Gleichförmige vergessen. Die gläubige Seele verflüchtigt sich im Flötenton …

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