Windsbacher Knabenchor mit Weihnachtsoratorium in Alter Oper

Christi Geburt in balsamischen Tönen

Frankfurt - Es gehört zum hohen Fest wie Ochs und Esel im Krippenbild: Das Weihnachtsoratorium. Die sechs Kantaten von Johann Sebastian Bach für die Feiertage rund um Christi Geburt haben derzeit wieder Konjunktur. Von Klaus Ackermann 

In der Alten Oper war der Windsbacher Knabenchor mit Nummer 1-3 und der letzten Kantate des barocken Dauerbrenners zu erleben. Kompetent unterstützt von der Akademie für Alte Musik Berlin sowie einem erfahrenen Gesangssolisten-Quartett. Für klanglich frischen Durchzug sorgte Martin Lehmann, der seit 2012 bei den Franken den Ton angibt.

„Jauchzet frohlocket“ – Wie eine Ouvertüre wirkt der Eingangschor, mit Pauken und Trompeten freudig bewegt auf Unerhörtes hinweisend: die Geburt Christi im Stall von Bethlehem. Und schon nach wenigen Takten hat man sich eingehört auf das empfindsame Instrumentarium der Akademie für Alte Musik, selbstredend historisch informiert. Wie auch der den Knabenchor suggestiv dirigierende Lehmann, der von Anbeginn ein packendes klangliches Szenario erstellt. Innerhalb bewusst gesetzter dynamischer Grenzen entwickelt sich da ein wohltembrierter, bei den Knabenstimmen kerniger und bei den Jungmännern samtiger, rhythmisch ungemein beweglicher Chorgesang. In einer Reinheit, die ein Markenzeichen der Windsbacher ist, schon optisch Zeichen setzend. Wer noch nicht im Stimmbruch war, trägt eine Fliege, die Männer ziert eine Krawatte als Halsschmuck.

Erweist sich der britische Tenor James Gilchrist als spannender, manchmal etwas forcierender Berichterstatter – Kritiker loben, dass er „nicht zufällig die Evangelisten-Industrie allein führt“, so verkörpert die routiniert gestaltende Altistin Wiebke Lehmkuhl die in Liebe zum Christuskind entbrannte, gläubige Seele: „Bereite Dich Zion, mit zärtlichen Trieben“. Ausdrucksstark zudem in Bachs Arien-Schlager schlechthin, dem Wiegenlied „Schlafe mein Liebster“. „Großer Herr, o starker König“ – für die Ungeheuerlichkeit, dass so einer in harter Krippe schlafen muss, setzt Konstantin Wolf einen naturbelassenen Bass ein. Das Ritual von Rezitativ, Arie und Chor krönt der kommentierende Choral, bei den Windsbachern mit ihrer makellosen Textausdeutung weit weg vom Gemeindegesang.

Chorfestival in Hanau

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Bachs Gunst hat das Orchester mit seinen „historischen“ Holzbläsern sicher. Auch bei der feinfühligen Sinfonia, die Begegnung von Hirten und Engeln pastos einleitend. In dieser Kantate Nr. 2 profiliert sich der Tenor auch in der Arie „Frohe Hirten, eilt“, dessen „Freude“ in lustvoller Koloratur ansteckend wirkt. Den Weg der Hirten nach Bethlehem schildert die dritte Kantate mit lebhaftem Choreinsatz. Sinn macht, die Nr. 6 hier anzuschließen, mit ihrer heftigen Steigerung die Dramatik noch einmal schürend. Zudem bietet sie der britischen Sopranistin Joanne Lunn Gelegenheit für gekonntes, opernhaftes Aufbegehren ohne Vibrato-Schmus. Dass die Windsbacher a capella noch „Nun sei willkommen“ und „Herbei o ihr Gläubigen“ dem Weihnachtsoratorium nachschicken, ist ein willkommenes Geschenk: So schönen Chorgesang hat man lange nicht gehört.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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