Cinema Lounge mit Marlene Dietrich

Film-Fest für Ohr und Auge

Offenbach - Jede Femme fatale hat klein angefangen, sogar die Dietrich. „Die Frau, nach der man sich sehnt“ mimte Marlene 1929 in dem gleichnamigen Film stumm, aber bereits die Fantasie der Männer erregend. Von Markus Terharn

Und den Luxemburger Pascal Schumacher zu einer Neukomposition inspirierend, deren Orchesterfassung die Neue Philharmonie Frankfurt in Offenbach aus der Taufe gehoben hat. Es war ein Triumph.

„Eine Symphonie der Leidenschaft“, so der Untertitel der Capitol Cinema Lounge, passt perfekt. Auch „Oper ohne Worte“, wie Moderator Ralph Philipp Ziegler meint, trifft es. Für einen Streifen mit nur einem äußeren Musizieranlass hat der ausgebildete Schlagzeuger und studierte Jazzer Schumacher eine Partitur geschaffen, die vor Gefühl strotzt. Sämtliche Regungen vom Aufkeimen zarter Liebe bis zum Ausbruch roher Gewalt malt der Klangkörper so farbig wie nuanciert.

Diese Tonsprache ist modern, aber eingängig, oft dissonant, doch stets genießbar. Viele Einfälle hoher Qualität bleiben im Ohr: das maschinenartige Stampfen im Tutti, als ein Schmelzwerk gezeigt wird; der Paukenwirbel, der das Rollen des Zugs zeichnet; das Flirren hoher Streicher und Holzbläser, wenn erstmals Marlenes Gesicht am Abteilfenster erscheint.

Viele Überraschungen

Und Schumacher schätzt Überraschungen. Widersteht der Versuchung, den Silvesterball mit banalem Tanztakt zu unterlegen, zugunsten differenzierter Dramatik. Höhepunkt ist der Zweikampf beider Herren um die Schöne. Doch die durchschlagendste Wirkung erzielt eine klug platzierte Generalpause – die Stille nach dem Schuss...

Beim erfahrenen und in Offenbach bereits bekannten Stummfilmdirigenten Christian Schumann ist das Werk in besten Händen. Die Bilder im Kopf und vor Augen, lebt er die Musik förmlich mit. Steigerungen baut er effektvoll auf, Solisten setzt er präzise ein. Besondere Leistungen entlockt er dem Blech und der Perkussion.

Eine weitere Bestnote verdient sich Schumacher als stark gefragter Vibraphonist mit eigenen Noten. Im Duett gern begleitet von Mirjam Rietbergs virtuos gehandhabter Harfe, mehr Melodiemacher als Rhythmusgeber. Ergebnis ist ein Gesamtkunstwerk, das sich sehen und vor allem hören lassen kann!

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