Musik im Zeichen der Freiheit

Offenbach - Auch die Neue Philharmonie Frankfurt steuerte im Capitol einen Beitrag zum Büchner-Jahr bei. „FreiheitsLied“ hieß das Motto der ersten Panorama Lounge der neuen Saison. Von Eva Schumann

Offenbach hat eine enge Beziehung zu Büchner, dessen revolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“ 1834 auch hier gedruckt wurde. Mit Büchners Drama „Dantons Tod“ setzte sich Ludger Vollmer in „Dantons Kuss“ auseinander, entstanden im Auftrag des Forums Kultur der Stadt Offenbach und nun uraufgeführt. Volmer fand das Freiheitsmotiv auch bei Heine, so entstanden „Gespräche nach Büchner und Heine zwischen Bariton, Sprecher und Orchester“. Das dreiteilige Stück beginnt mit einer Art Erzählung, in der nebst der Vertonung von Heines Gedicht „Seraphine“ im Orchester Naturklänge ertönen, gleichsam Bilder in der menschlichen Seele. Was Vollmer als sein Stilmittel nennt: möglichst starke Emotionalität mit dem Publikum auszutauschen, wurde hier deutlich und glaubhaft. In Kreuzform ist der zweite Teil strukturell angelegt; leise Klänge umrahmen einen massiven Mittelteil. Dantons Anklage an Robespierres tyrannische Tugendhaftigkeit wird kombiniert mit einer Art Hiobsklage von Heine. Im dritten Teil dominiert melismatischer Gesang, wechseln orchestrale Zartheit und wilde Ausbrüche. Innere Freiheit und mystische Liebe zu Gott verkündet ein weiteres „Seraphin“-Gedicht Heines.

Das Orchester meisterte unter dem straffen Dirigat von Steven Lloyd Gonzalez glanzvoll auch diese, vor allem rhythmisch schwierige Komposition. Vollmer und sein packendes Werk bekamen großen Beifall. Viel Anerkennung verdienten auch die einfühlsamen Interpretationen durch Bariton Ulf Dirk Mädler und der Texte durch Michael Dissmeier. Das Konzert eingeleitet hatten die Freiheitsklänge der Verdi-Oper „Nabucco“, von Gonzalez mit allen Feinheiten gut ausgeleuchtet, mit gebotenem Pathos, aber nie pompös wirkend, und von der Philharmonie mit vorbildlicher Präzision gespielt. Die Beziehung von Kunst und Staat spiegelten Thema und Variationen aus Haydns „Kaiserquartett“ in der Orchesterbearbeitung von Marco Jovic.

Patrik Bishay hatte „Blood Money“ von Tom Waits fürs Orchester instrumentiert. Die drei Songs aus dem „Wozzeck“ wurden von Mädler stilsicher gesungen. Beim Thema Freiheit durfte Beethovens „Fidelio“ nicht fehlen. Die Philharmonie verband Auszüge aus dem ersten Akt mit dem sogenannten „Fatalismus-Brief“ Büchners, rezitiert von Dissmeier. Das Konzert endete so dramatisch wie eindrucksvoll mit der dritten Leonoren-Ouvertüre.

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