Cliff Richard in der Festhalle

Peter Pan quicklebendig

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FRANKFURT - Nein, er ist nicht tot. Sondern, im Gegenteil, weiter in Bestform. Und passt mit 73 sogar noch locker in eine windschnittige Stretch-Jeans. Die Rede ist von Sir Cliff Richard. Von Peter H. Müller 

Sir Cliff Richard, der skandalfreieste Ritter des Pop-Geschäfts, gibt auf der letzten Station seiner „Reelin´ and Rockin´“-Tour mal wieder den Peter Pan. Wenn er in der Festhalle nicht gerade über das Alter oder seine größten Flops witzelt, turnt er taufrisch durch 55 Karriere-Jahre und erntet dafür stehende Ovationen. Wie zum Teufel macht er das nur?

Also, man kann über seine Musik, die seit den „Shadows“-Zeiten in den 1960-ern keine Untiefen umschifft hat, ja nun wirklich trefflich streiten - aber, der Mann bleibt einfach ein Phänomen. Nicht nur wegen rund 250 Millionen verkaufter Tonträger und seinem inzwischen 100. Album, das unter dem programmatischen Titel „The Fabulous Rock´n´Roll Songbook“ zerknitterten Weggefährten wie Little Richard, Buddy Holly. Jerry Lee Lewis oder den Everly Brothers huldigt.

Botox hin, Liftings und Haartransplantation her - Cliff Richard, 1995 von der Queen in den Adelsstand befördert, ist ein echter Entertainer-Evergreen, um nicht das große Wort Legende zu bemühen. Und wenn er zu Chuck Berrys „Reelin´ and Rockin´“ oder „My Kinda Life“ über die Showtreppe wirbelt, scheint das für die vorwiegend grau melierten 3 000 Fans in Frankfurt auch der Startschuss zu einer Nostalgie-Tour, die wacker die Zeit zurückdreht.

Zwischen Party-Stürmern und Herzschmerz-Balladen

„Move it“ (1958), sein erster UK-Nr.1-Hit „Living Doll“ (1959) und der Film-Titelsong „The Young Ones“ (1962) oder die fröhlich schwofende Teenager-Hymne „Summer Holiday“ - das ist noch der gediegene Rhythmus der Vor-Beatles-Ära. Ein Sound, der so harmlos wie Rock´n´Roll-unverdächtig klingt und immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Fangemeinde unter kernigen Nummern wie „What Car“ fast zusammenzuckt. Denn Richards, mit achtköpfiger Band und Background-Stimme/Duett-Partnerin Suzie Furlonger angereist, beherrscht eben auch noch den etwas wilderen Hüftschwung.

Überhaupt zappt er sich kreuz und quer durch ein Repertoire aus dezent patinierten Party-Stürmern und Herzschmerz-Balladen: Da trifft schon mal Buddy Hollys „Rave on“ oder Little Richards „Rip it up“ auf die unvermeidlichen „Lucky Lips“ („Mein Deutsch is kaputt“) und seine schön schnulzige Pop-Schmonzette „We don´t talk anymore“. Nun ja, sagen wir einfach mal „Schwamm drüber!“ und gucken auf die vielen schönen Momente des umjubelten Zwei-Stunden-Auftritts.

Nach einer Pop-Show voller goldiger Erinnerungen und Oldies der Marke „Devil Woman“, „Sealed with a Kiss“ oder „Dream Lover“ darf der Pop-Peter-Pan also auch mitten im Applaus baden - und seine Fans mit Bobby Freemans „Do you Wanna Dance“ auf den Heimweg geleiten.

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