Clueso in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Rapper schnallt die Gitarre um

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Clueso in Aktion.

Frankfurt - Sachen gepackt, „Freidrehen“ und schon leuchtet wieder alles. Vor allem die Augen seiner Fans. Clueso, der sympathische Rap-Philosoph, rappt nicht mehr. Oder nur selten. Von Peter Müller

Dafür schnallt er nach dreijähriger Auszeit die Songwriter-Gitarre um - und gibt in der ausverkauften Jahrhunderthalle ein umjubeltes Konzert. Thomas Hübner aka Clueso ist zurück. Das wäre noch nicht sonderlich bemerkenswert, weil er gefühlt eigentlich nie wirklich weg war - und Songs wie „Beinah“, „Rollen“ oder „Ey der Regen“ ohnehin noch durch alle Ohrwurm-Kanäle mäandern. Aber: Der 34-jährige Erfurter hat sich künstlerisch neu erfunden. Mal wieder.

Das gerade erschienene „Bauchgefühl“-Album erzählt von einem gut situierten Mittdreißiger im semi-urbanen Alltag, von großen Entscheidungen, kleinen Begegnungen im Stillen und dem ganz normalen Leben. Ohne viel Kopf. Ohne Politik.

Clueso anno 2014, das ist ein ziemlich entspannter Singer/Songwriter, der mit seiner munter groovenden, sechsköpfigen Band um DJ Malik, Keyboarder Philipp Milner und Posaunist Christian Kohlhaas in rund 150 Minuten zehn Karrierejahre einfängt. Natürlich gehört dazu auch ein Old-School-Rap-Medley, für das er unter anderem den alten Weggefährten Steer MC auf die Rampe holt und Tracks wie „Uh Girl“, „Stumme Königin“ oder „Love The People“ abfeiert.

Bilder vom Konzert

Konzert von Clueso in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Was mit „Pack meine Sachen“, „Zu schnell vorbei“ und „Mitnehm´“ beginnt, ist bis zum Finale des regulären Sets („Nebenbei“) ein fröhlich melancholisches Happening. Die Zutaten: ein mal funkig bis rockig, dann wieder poppig bis elektronisch umwölkter Großstadt-Blues; eine atmosphärisch klug gesetzte Licht-/Video-Show, Hit-Balladen wie „Barfuß“ und Mitsing-Evergreens wie „Chicago“ oder Lindenbergs unvermeidliches „Cello“.

Clueso ist weder ein überragender Sänger noch ein großer Gitarrist, erst recht kein mitreißender Entertainer. Seine Songs, sein Gestus - all das wirkt nahbar, ungekünstelt und einfach echt.

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