Coldplay: Erfolgsband rockt die Festhalle

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Chris Martin auf der Bühne und überlebensgroß auf dem Bildschirm.

Frankfurt - Chris Martin weiß, dass er in einer sehr großen Halle auftritt. „Hallo, ihr da ganz hinten. Wir sehen euch trotzdem, und ihr seid uns trotzdem wichtig“, ruft der Sänger der britischen Erfolgsband Coldplay ins weite Rund der ausverkauften Frankfurter Festhalle. Von Dirk Fellinghauer

Dass er das nicht einfach nur sagt, sondern so meint, beweist der hyperaktive Frontmann mehrfach im Lauf des berauschenden Abends. Der 34-Jährige ist scheinbar bei jedem einzelnen der fast 14.000 Fans gleichzeitig: eben noch an der Gitarre, kurz darauf am Klavier, dann im Zentrum der Bühne, wenig später ganz vorn am endlos langen Laufsteg und zwischendrin winkend hinter der Bühne.

Dass die Megastars mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben, weltweiten Nummer-1-Hits und ausverkauften Tourneen nicht abheben, sondern sich, so gut es in diesen Dimensionen geht, fast rührend um ihre Fans kümmern, dürfte ein Grund für ihren anhaltenden Erfolg sein und macht sie auch für Skeptiker sympathisch. Der andere Grund ist ihre traumwandlerisch perfekte Musik, die zwischen Schwelge-Pop und Rock auf höchstem Niveau mit Eigensinn und Experimentierfreude ein Massenpublikum anzusprechen vermag. Indie-Nerds, Hausfrauen, Manager, Teenies und Mittvierziger: Wer, so fragt sich beim Blick ins Rund, begeistert sich eigentlich nicht für Coldplay?

Ein Konzert als Fest, als Rausch, als Spektakel

Die Besucher erleben ein Konzert als Fest, als Rausch, als Spektakel. Eine Band wie Coldplay kann es sich erlauben, gleich zum Auftakt die Hits nur so rauszufeuern. Sie muss es fast tun, denn sie hat kaum andere Songs als Hits. „Yellow“, „Viva La Vida“, „Shiver“ oder „In My Place“ sind nur ein paar der unzähligen Erfolgstitel. Und wenn wir schon beim Rausfeuern sind, scheint sich das Quartett gedacht zu haben, dann verpulvern wir gleich zu Beginn all unsere Show-Effekte. Vielleicht, damit sich anschließend alle auf die Musik konzentrieren können. Los geht’s vor greller Graffiti-Kulisse mit Laser und einem bunten Lichtermeer, hergezaubert über funkgesteuerte Leuchtarmbänder, die vorher verteilt wurden. Und weiter mit riesigen Luftballons. Dazu werden Konfettikanonen abgeschossen.

Die Songs scheinen selbst wie große bunte Ballons zu sein: Schwerelos schweben sie durch den Abend, sind dabei aber unberechenbar, haben trotz Wiedererkennungswert alle eigenen Charakter, schlagen unterschiedliche Richtungen ein, nehmen überraschende Wendungen und enden sogar manchmal mit einem lauten Knall. Coldplay beherrschen die herzzerreißende Ballade genauso wie den Rock-Kracher und die große Hymne oder gar das ravige „Every Teardrop Is A Waterfall“, das den Abend bereits nach wie im Flug vergangenen 80 Minuten beschließt.

Bilder vom Coldplay-Konzert in der Frankfurter Festhalle

Coldplay rockt Festhalle

Gitarrist Johnny Buckland, Bassist und Keyboarder Guy Berryman und Schlagzeuger Will Champion, der zwischendurch auch für Gesangseinlagen bejubelt wird, strotzen vor Spielfreude. Und Chris Martin, dem etwas ein Softie-Image anhängt, entpuppt sich als Schwerstarbeiter, gibt alles, singt, spielt und schwitzt sich die Seele aus dem Leib, fällt im seit dem dritten Song durchnässten T-Shirt irgendwann erschöpft dem Gitarristen in die Arme und später einfach auf den Boden und bleibt mit ausgestreckten Armen liegen. Er kann sich ein Päuschen gönnen – das Publikum singt für ihn weiter.

Ein Traum von einem Konzert, an dessen Ende überraschend „White Christmas“ besungen wird. Jetzt kann Weihnachten kommen! Und wer dafür noch Geschenke braucht, besorgt einfach Eintrittskarten für die Stadion-Tournee 2012...

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