Cro in der Festhalle: Provozierend fröhliche Party

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Frankfurt - Viel ausgelassener kann die Mega-Party am Brandenburger Tor auch nicht gewesen sein. HipHop-Lichtgestalt Cro, die lässige Antithese zu allen sinistren Gangsta-Rappern dieser Welt, taucht auf seiner „Mello-Tour“ die ausverkaufte Festhalle in einen Konfettiregen und lässt Feuerfontänen los. Von Peter Müller

Der Mann mit der putzigen Pandamaske scheint so etwas wie ein wandelnder Glückskeks - vor allem für die jüngsten Fans, die während der knallbunten Kindergeburtstags-Show vollends aus dem Häuschen geraten. Neulich, auf der Frankfurter Buchmesse, musste ja schon mal Kreisch-Alarm ausgelöst werden. Ausnahmsweise. Ein 24 Jahre junger Schwabe war da angereist, um vor einer Horde entfesselter Jugendlicher sein zweites Buch vorzustellen - mit einem Kurzkonzert im Sitzen. Der Titel des 35-Kapitel-Werkes: „Easy does it - CRO, die Maske und der ganze Rest“.

Keine verfrühte Biografie wie allenthalben kolportiert, sondern eine Geschichte darüber, wie die kleine Plattenfirma „Chimperator“, ein DJ namens Psaiko.Dino und vor allem eben der Pandamasken-Rapper „mal einfach die gesamte Szene rasiert haben. Und richtig viel Spaß dabei hatten.“ In der Tat ist die Erfolgsstory von Cro, der im richtigen Leben Carlo Waibel heißt, ein echtes Phänomen. Seit 2011, dem Mixtape „Meine Musik“ und dem auf Youtube inzwischen unfassbare 42 Millionen Mal geklickten Party-Brüller „Easy“ hat der spindeldürre Stuttgarter die HipHop-Gesetze auf den Kopf gestellt.

Keine Proll-Reime über Titten

Sein Credo: Keine Proll-Reime über Titten, teure Autos, Drogen, Waffen oder Analverkehr - sondern beste Laune satt, melodiöse Radio-Dauerbrenner-Sounds und „twittereskes“, geradezu provozierend fröhliches Textgut. Das zelebriert er nun auch in der brodelnden Festhalle, wo Punkt 20 Uhr mit den Openern „I Can Feel It“ und „Hi Kids“ eine Konzert-Fete beginnt, die amtliche zwei Stunden lang auf Höchstflamme kocht. Im Auditorium, eine Art Generationen-Treffen: Teenager mit und ohne Zahnspange, Mami und Papi, die vorsorglich Ohrstöpsel angelegt haben, selbstverständlich auch die ganz Kleinen - mit Panda-T-Shirt, Panda-Pappmaske oder Panda-Zipfelmütze ausgerüstet. Das florierende Cro-Merchandising, eine eigene Geschichte.

Auf der Bühne: ein überdimensionales DJ-Pult, auf dem Psaiko.Dino (bürgerlich: Markus Brückner) thront, Schlagzeug-Podest (Flo König), Keyboard/Gitarre (Tim Schwerdter), diverse Video-Screens und vorneweg natürlich Panda-Chef Cro, der die Gemeinde fast lakonisch, immer „voll cool“ geradewegs „Einmal um die Welt“ dirigiert.

„Alle Arme nach oben!“, „Jetzt aber mal richtig Ausflippen!“ - die Kommandos treffen so unmittelbar den Nerv wie seine „Roap“ getaufte Rap-Pop-Mixtur, die Sprechsing-Hits wie „Whatever“, „King Of Roap“ und „Kein Benz“ listet und zwei verdutzt beseelte Fans zu „Du“ sogar auf die Rampe hievt, das obligatorische Selfie inklusive.

Willkommene Abwechslung

Obendrein hat er - eine kluge Idee - mit seinem Label-Kollegen „Teesy“ und Rap-Newcomer „DaJuan“ zwei Gäste geladen, die willkommene Abwechslung in das gelegentlich etwas eintönige Party-Treiben bringen. Cro am Keyboard im Duett mit Teesy („Lange her“) - die beiden können Ballade genauso gut wie den rockigen „Söhne Mannheims“-HipHop „S.O.S.“. Nach einer vermeintlichen Pyrotechnik-Panne und aufgeregtem Taschenlampen-Gewusel auf der Bühne taucht Darling Carlo zur Verzückung aller Bärenfreunde mitten Saal auf - um mit Kumpel „DaJuan“ per Hebepodest „Higher“ gen Himmel zu schweben und „Meine Gang“ zu performen.

Damit ist das Konfetti-geschwängerte Finale eingeläutet - für viele Kids ist am nächsten Morgen schließlich schon wieder Erdkunde und Mathe statt musikalischer Früherziehung angesagt. Dafür gibt es zur ersten Zugabe „Easy“ denn auch noch eine übergroße Portion Konfetti mit auf dem Heimweg - der Schul-Montag ist gerettet.

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