Dänische Elfe im Sog der Melancholie

Eine weitere „Elfe“? Die dänische Sängerin und Musikerin Katrine Ottosen passt mit ihrer schmächtigen, scheinbar zerbrechlichen Gestalt und dem gestrüpphaft langen, ein ausdrucksstark schönes Gesicht umflorenden Haar ideal in jenes Bild, das seit dem Beginn der Solokarriere Björks Anfang der Neunziger Jahre im Zuge von Künstlerinnen wie CocoRosie oder neuerlich der als Soap & Skin firmierenden Österreicherin Anja Plasch wieder eine starke Konjunktur erlebt. Von Stefan Michalzik

Neben einer unverhohlenen Faszination ob dieser mystifizierten Frauengestalten wurden zuletzt freilich kritische Stimmen mit Sicht auf das von ihnen vermittelte Frauenbild laut.

Was immer man vom „Elfischen“ halten mag: Der Eindruck, den Katrine Ottosen bei ihrem Solokonzert im Studio des Frankfurter Mousonturms hinterlassen hat, ist der einer Musikerin, die sehr genau weiß, was sie tut. Soweit Naivität mit im Spiel ist, lässt sich diese als künstlerische Strategie einordnen. Ihre Lieder arrangiert sie bis zur Kargheit sparsam. Wie dahingeworfen muten die Akkorde an, mit denen sie ihre von der Altlage immer wieder sich in die Höhe hinaufschraubende Stimme begleitet. Ihr Instrumentarium besteht aus drei Synthesizern, mit denen sie in einem virtuosen Minimalismus umgeht. Mitunter sampelt sie ihre Stimme live ein, der mutierte Sound hat mit Sanglichkeit nichts mehr gemein.

Als Vertreterin einer neuen Romantik lässt sie herbstliche Waldbilder auf die Rückwand der Bühne projizieren. Und alle Lieder dieses nur 50 Minuten kurzen Konzerts, auch jene, die Ottosen als „Happy Love Songs“ ankündigt, sind durchzogen von einer Melancholie, die freilich etwas Gelöstes hat.

Es ist ein soghafter Reiz, der von den Liedern dieser Sängerin und ihrem Vortrag ausgeht. Dass solcherlei derzeit eine Welle ist und man nicht mehr das Gefühl hat, etwas Neues zu vernehmen, ändert daran wenig.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare