Ich bin dann mal weg

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Sänger Mick Hucknall gibt bei Simply Red (noch) den Ton und die Richtung an.

Frankfurt - „Schlaf nicht ein“, ruft der Kollege spöttisch, als sich der Berichterstatter zum Simply-Red-Konzert aufmacht. Na ja, für einen zünftigen Abend mit den Kumpels ist Simply Red in der Tat nur bedingt geeignet. Von Ralf Enders

Aber für muckelige Stunden mit der Liebsten gibt‘s kaum was Besseres. Und das ist doch was. Seit 25 Jahren verzaubert die Band um Frontmann Mick Hucknall mit Schmuse-Soul. Jetzt soll Schluss sein, Hucknall möchte als Solokünstler weitermachen. Zuvor aber sagen Simply Red auf den Bühnen der Welt mit „Farewell – The Final Tour” noch anständig Tschüss, am Mittwochabend in der ausverkauften Frankfurter Festhalle.

Eine fröhliche Party

Vielleicht fehlt den Fans ja der Glaube ans endgültige Aus – es soll Bands geben, die den Begriff „Abschiedstournee“ flexibel auslegen. Auf jeden Fall war‘s keine gedrückte Feier, sondern eine fröhliche Party.

Schon nach wenigen Songs löste sich die bestuhlte Ordnung auf, Frankfurt feierte tanzend und ausgelassen Abschied. Mick Hucknall schwang nach anfänglicher Zurückhaltung die Hüften wie eh und je. So schnell hat selten einer die Festhalle im Griff gehabt.

50 Jahre alt ist er im Sommer geworden. Man sieht‘s ihm an, aber seine begnadete Soulstimme ist noch dieselbe – glasklar und immer wie auf dem Album.

Alt werden mit Simply Red: Von Lady Di bis zur Rettung der chilenischen Bergleute

25 Jahre auf der Bühne; in diesem Jahr gab‘s gar die Goldene Kamera fürs Lebenswerk. Der rasante Videoclip zu Beginn des Konzerts führte den Fans vor Augen, dass sie mit Simply Red alt geworden sind: Lady Diana, Gorbatschow, Clintons Sex-Affäre, Klonschaf Dolly, Mauerfall, 11. September, Internet-Zeitalter, Rettung der chilenischen Kumpel...

Und Simply Red war mit Top-Hits immer dabei! Mehr als 100 Titel schafften es seit dem Durchbruch 1985 mit „Money‘s Too Tight (To Mention)“ unter die Top 20. „Holding Back The Years“, „Fairground“, „My Love“, „It‘s Only Love“ und, und, und – auch die leider nur eineinhalb Stunden in der Festhalle waren gespickt mit Welterfolgen. Songs, bei denen jeder mitsingen kann, eine Band mit sechs vorzüglichen Musikern, ein unaufdringliches Bühnenbild, das ist das Rezept für einen gelungenen Abend. Es ist Mainstream, nichts Spektakuläres, aber deswegen auch nicht schlecht.

Hucknall ab jetzt solo auf Tour

Am Ende ging‘s dann ganz schnell. Nach zwei Zugaben („Stars“ und „Something Got Me Started“) verabschiedet sich Hucknall mit ein paar persönlichen Worten. „Everything must change“ und „You gonna hear me again“ ruft er in die Halle und genießt den minutenlangen Beifall. Ja, alles im Leben verändert sich, und Hucknall werden wir wiederhören. Erstmal solo, aber irgendwann vielleicht doch wieder mit Simply Red? Wie sagte er doch: „If You Don‘t Know Me By Now“ – wenn wir ihn jetzt nicht kennen ...

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